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Philosophie

Befreit die Roboter!

Dass Maschinen Arbeiten ausführen, die unsere Vorfahren einst mit Muskelkraft erledigten, ist längst selbstverständlich. Heute ersetzt künstliche Intelligenz jedoch auch unsere Denkleistungen. Was bedeutet das für das Verhältnis zwischen Mensch und Technik?

PHOTOCREO Michal Bednarek / shutterstock.com
von
Thomas Vašek
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Philosophie

Man setzte sie im Haushalt ein, im Handwerk, in der Landwirtschaft. Sie dienten als Schreiber, als Lehrer und Erzieher; nicht selten waren sie gebildeter als ihre Herren. Auf der Arbeit von Sklaven, so wissen wir heute, beruhte die gesamte antike Kultur. Und doch behandelte man sie lange Zeit wie rechtlose Dinge, über die man nach Belieben verfügen konnte. Selbst für Aristoteles waren Sklaven nur beseelte Werkzeuge, bloße Mittel zum Zweck.

Digitale Technologien sind die Sklaven unserer Zeit. Sie übernehmen immer mehr Tätigkeiten, die Intelligenz erfordern. Sie arbeiten in Fabriken und Büros, sie diagnostizieren Krankheiten und übersetzen Texte; bald werden sie auch unsere Autos lenken. In immer weiteren Bereichen unseres Lebens werden wir abhängig von digitalen Maschinen, die vieles bereits heute besser können als wir.

Manche sehen darin eine Erweiterung unseres Geistes, andere das Ende von Aufklärung und Autonomie, wenn nicht gar der Menschheit überhaupt. Doch vielleicht lässt sich die Digitalisierung, die längst unsere Gesellschaft durchdringt, auch ganz anders beschreiben – als Teil eines konfliktreichen Prozesses, in dem der menschliche Geist zu sich selbst kommt.

Unsere digitalen Technologien bereiten uns Unbehagen, so lautet meine These, weil wir uns in ihnen nicht wiedererkennen. Wir haben die Computer und Algorithmen selbst geschaffen. Doch nun stehen sie uns fremd und undurchschaubar gegenüber. Der Konflikt er wächst…

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Nr. 1/2017