Lesezeit 11 Min
Wirtschaft

Alles nur Geschwätz?

Erfolg allein zählt nicht mehr, Unternehmen müssen heute offenbar auch Werte haben – und predigen. Doch sind Wettbewerb und Moral überhaupt miteinander vereinbar?

Thinglass / Shutterstock.com
von
Rebekka Reinhard
und
Thomas Vašek
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Wirtschaft

Sie stehen in Geschäftsberichten, Imagebroschüren und Ethik-Kodizes, Manager beschwören sie in ihren Reden – in der Wirtschaft spricht man heute lieber von Werten als von Zahlen. Das wärmt die Herzen, das vermittelt Sinn: Es gibt kaum noch ein Unternehmen, das sich nicht zu »Verantwortung«, »Fairness« oder »Nachhaltigkeit« bekennt.

Angesichts von Korruptionsaffären und Millionenabfindungen kann man fragen, wo da die Glaubwürdigkeit bleibt – und was all das Wertegeschwätz in der Wirtschaft überhaupt soll. Wie passen Werte und Wirtschaft zusammen? Stehen ethische Werte nicht in einem Spannungsverhältnis, gar im Widerspruch zu ökonomischem Verhalten?

Aus klassisch marktwirtschaftlicher Sicht stört die Moral das Geschäft. Der Grund liegt in der Logik des Wettbewerbs: Moralisches Verhalten kann zu einer Kostenerhöhung führen, die von weniger moralischen Konkurrenten ausgenutzt werden kann; es liegt daher nicht im Interesse von rationalen wirtschaftlichen Akteuren. Moral und Marktwirtschaft, Werte und Profit scheinen also unvereinbar zu sein.

Der Ökonomie-Nobelpreisträger Milton Friedman (1912 – 2006) meinte sogar einmal, Unternehmen hätten überhaupt keine andere Verantwortung als die, im Dienste ihrer Anteilseigner ihre Gewinne zu maximieren.

Die Moralverächter in der Wirtschaft berufen sich dabei gern auf Adam Smith (1723 –1790). Der schottische Ökonom und Moralphilosoph hielt das wirtschaftliche Eigeninteresse für am besten geeignet, das Gemeinwohl zu fördern. In seinem Hauptwerk »Der Wohlstand der Nationen«…

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Nr. 1/2016