Lesezeit 7 Min
Philosophie

Alles fließt

Die Welt verändert sich, jeden Tag, jede Minute, jede Sekunde. Und doch tun wir uns selbst oft schwer mit Veränderungen. Wie kann Wandel gelingen?

Dudarev Mikhail / shutterstock.com
von
Greta Lührs
Lesezeit 7 Min
Philosophie

Zum Jahreswechsel ziehen viele Bilanz: Wie war das letzte Jahr? Habe ich das getan, geschafft, ausgelebt, was ich mir vorgenommen hatte? Am Silvesterabend fällt man sich in die Arme, beflügelt vom Sektrausch, und denkt an das neue Jahr, das nun vor einem liegt – weiß und unbeschrieben. Im nächsten Jahr wird alles anders, ich ändere mein Leben! Ich werde endlich mehr Zeit für mich haben, mir ein erfüllendes Hobby suchen und mich nicht mehr so sehr unter Druck setzen. Das neue Jahr scheint verheißungsvoll. Als könnte man eine Reset-Taste drücken: Man bekommt eine neue Chance. Alle Altlasten sind (kurz) wie weggeblasen, alles scheint möglich.

Doch dieses Gefühl hält höchstens ein paar Wochen an. Schnell kehrt der Alltag zurück und mit ihm die Erkenntnis, dass die Zeit gar keinen Sprung gemacht hat, sondern einfach weitergelaufen ist. Der Neuanfang war doch keiner, sondern nur ein weiteres Glied in der Kette. Wieso fällt uns Veränderung so schwer, obwohl wir sie uns wünschen?

Wir fühlen uns manchmal wie erstarrt, und doch ist Veränderung allgegenwärtig. Allein unser Körper wandelt sich im Laufe unseres Lebens gewaltig; erst wächst er, später schrumpft er wieder zusammen. Wachstum ist ohne Veränderung nicht denkbar. Schließlich müssen die Zellen ihren bisherigen Zustand aufgeben und einen neuen annehmen, um den Organismus größer werden zu lassen. Aristoteles bezeichnet die Bewegung als belebendes Prinzip. Was sich bewegt, lebt, was…

Jetzt weiterlesen für 0,44 €
Nr. 2/2016