Lesezeit 18 Min
Kultur

Wigald Boning

„Unser Leben ist der Aufenthalt in einem kugelförmigen Wartesaal.“

CHRISTIAN AUGUSTIN
von
Sylvie-Sophie Schindler
Lesezeit 18 Min
Kultur

Zur Person

Wigald Boning, geboren 1967 in Wildeshausen, aufgewachsen in Oldenburg, beschloss schon als Teenager, Jazzmusiker zu werden, und tourte ab 1983 mit seiner Band „KIXX“ quer durch Europa. Als er 1989 am Dreh eines Dokumentarfilms beteiligt war, stellte sich bei einem Interview mit Prostituierten sein komödiantisches Talent heraus. Ab 1993 gehörte er zum Ensemble der Comedy-Sendung „RTL Samstag Nacht“, aus der auch das Musik-Duo Die Doofen mit Olli Dittrich hervorging. Boning moderierte TV-Sendungen wie „Clever – Die Show, die Wissen schafft!“ und „Nicht Nachmachen!“. 2004 erhielt er den Grimme-Preis für seine Interviewsendung „WIB-Schaukel“. Neben seinen TV-Auftritten ist er mit Bühnenprogrammen unterwegs, schreibt Bücher, sammelt Nasenhaarschneider und Einkaufszettel und widmet sich dem Ausdauersport. Boning hat zwei Söhne. Momentan lebt er in München – wenn er nicht gerade unterwegs ist.

Hamburg. Nirgendwo wurden im Zweiten Weltkrieg so viele Bunker erbaut wie in der Hansestadt. Der größte ist der Hochbunker an der Feldstraße auf Sankt Pauli. Ein Klotz mit tonnenschwerer Vergangenheit. Dort steht, auf der Dachterrasse, Wigald Boning in orange-grün-kariertem Hemd und neongelber Jacke und schaut einen an, als wolle er gleich einen Witz erzählen. Der Komiker macht eine Handbewegung und weist auf die Aussicht, die sich bietet: Die Metropole liegt zu unseren Füßen. Boning kommt ins Schwärmen. Möglich, dass dieser Ort gerade der schönste der Welt ist. Im Gespräch verlieren sich ohnehin Zeit und Raum. Der Humorist fesselt mit Anekdoten über seine Kindheit und seine Reisen. Am Ende bleibt der Eindruck: Wenn einer etwas von Lebensfreude versteht, dann er.

Herr Boning, wann haben Sie sich das letzte Mal versteckt?

Versteckt?

Versteckt.

(überlegt) Ich habe im Winter viel gezeltet…

im Winter?

Im Winter.

Im Sommer kann freilich jeder.

Meine Familie fand die Idee anfangs ziemlich bescheuert, aber inzwischen sind auch meine Zwillinge auf den Geschmack gekommen. Ich habe den ganzen Winter durchgezeltet. Da gab es mehrmals die Situation, dass ich mich verstecken und mir einen…

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Nr. 18/2016