Lesezeit 15 Min
Philosophie

Volker Gerhardt

„Wo es Religionen gibt, gibt es Streit.“

Anne-Lena Michel
von
Johannes Niederhauser
und
Markus Hockenbrink
Lesezeit 15 Min
Philosophie

Zur Person

Volker Gerhardt wurde 1944 in Guben in Brandenburg geboren und studierte Philosophie, Psychologie und Rechtswissenschaft in Frankfurt und Münster. Er lehrte in Münster, Köln und Halle und baute nach der Wende das Philosophieinstitut an der Humboldt-Universität zu Berlin neu auf. Dort lehrt er heute als Seniorprofessor. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen der Ethik, der politischen Philosophie und der Metaphysik. Zwischen 2001 und 2012 war Gerhardt Mitglied des Nationalen und des Deutschen Ethikrats. Seine Arbeiten zu Kant und Nietzsche sowie zur Selbstbestimmung (1999), zur Partizipation (2007) und zur Öffentlichkeit (2012) gelten als Standardwerke. 

Berlin. Professor Dr. Volker Gerhardt blickt aus seinem Büro im Institut für Philosophie der Berliner Humboldt-Universität. Draußen spielt die Februarsonne Frühling, die Touristenströme schlängeln sich durch den Baustellenparcours Unter den Linden. Das friedvolle Ambiente passt zu Professor Gerhardts neuem Buch: „Der Sinn des Sinns“ möchte das Verhältnis von Glauben und Wissen präziser fassen und zeigen, dass beide wechselseitig aufeinander angewiesen sind. Damit will er die Vernunft in die Religion zurückbringen. Keine einfache Aufgabe in diesen Zeiten.

Professor Gerhardt, können Sie kurz erläutern, in welchem Verhältnis Religion und Philosophie traditionell zueinander stehen?

Professor Gerhardt: Ursprünglich wurden Religion und Philosophie nicht unterschieden. Das Göttliche gehörte zum Verhältnis, das der Mensch zu seiner Welt und zu sich selber braucht. Die ersten Philosophen, insbesondere Parmenides und Heraklit und später Platon und Aristoteles, sind davon ausgegangen, dass das Göttliche nicht etwas Fernes jenseits der Welt ist, sondern dass es sich in der Welt durch dasjenige zeigt, was man im Denken, Sprechen und Handeln…

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Nr. 3/2015