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Wissen

Prof. Dr. Peter Zec

„Wir haben ein Qualitäts-Gen in uns.“

von
Oliver Uschmann
,
Katharina Raskob
und
Sylvia Witt
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Wissen

Zur Person

Prof. Dr. Peter Zec wurde 1956 in Osnabrück geboren und studierte Psychologie, Medien- und Kunstwissenschaft. Der ehemalige Geschäftsführer des Bundes Deutscher Grafik-Designer sowie des Verbandes Deutscher Industrie-Designer steht seit 1991 an der Spitze des Design Zentrums NRW. Ferner bekleidete er von 2005 bis 2007 das Amt des Präsidenten des Icsid, dem internationalen Dachverband der Industriedesigner. Der Hochschulprofessor für Wirtschaftskommunikation, dessen Name jugoslawischer Herkunft „seez“ ausgesprochen wird und „Hase“ bedeutet, ist seit 2001 geschäftsführender Gesellschafter der Red Dot GmbH. Zec lebt mit seiner Familie in Berlin und Essen.

Essen. Das Red Dot Design Museum befindet sich im früheren Kesselhaus der Zeche Zollverein. Die Stege, die auf fünf Etagen durch die geschickt platzierten Exponate führen, berühren an keiner Stelle die ursprüngliche Architektur. Vorbei an alltagstauglichen Dingen wie Fahrrädern oder Duschen bis hin zu einem exklusiven Mini-Helikopter werden wir nach oben ins Loft geführt. Mit seiner vollflächigen Glasfront nicht unbedingt die behaglichste Kulisse für Höhenängstliche. Prof. Dr. Peter Zec hat ganze drei Stunden Zeit eingeräumt. Obschon bekennender Fan des Kapsel-Espressos, begnügt er sich in angeregter Runde mit Filterkaffee aus der Thermoskanne.

Herr Prof. Dr. Zec, wann haben Sie das erste Mal im Leben bewusst über Design nachgedacht?

Als es zu Beginn des Studiums um die erste eigene Einrichtung ging, schwor ich mir, dass ich mir von meinem ersten guten Geld eine Corbusier-Liege kaufe. Das Original, von Cassina. Die kostete damals 3.500 Mark, ich besitze sie bis heute. Als ich mir nach dem Studium mein erstes Büro einrichtete, war mein großer Traum eine Tizio-Lampe. Als kabelloses Modell eine echte Innovation.

Die Studienzeit erscheint spät. Wer seine Berufung zum Beruf macht, hat meist schon in der Kindheit Erweckungserlebnisse.

Wo Sie’s sagen! Ich muss sechs Jahre alt gewesen sein, als mein Vater mir die Qualität des Gugelot-Rasierers von Braun erklärte. Ein echter Handschmeichler. In aller Ruhe erläuterte er, was genau an diesem Gerät fantastisch ist. Mein Vater war Industriearbeiter, kein Intellektueller, doch er vermittelte mir als erster diese Wertschätzung. In Texten und Vorträgen komme ich noch heute auf diesen Rasierer als Design-Klassiker zurück.

Darf man sagen, dass gutes Design jeden Menschen, auch und gerade Laien, automatisch glücklich macht? Ähnlich wie der Aufenthalt in der Natur immer stimmungsaufhellend wirkt, ob man Botaniker ist oder nicht?

Ob es sofort glücklich macht, mag ich nicht beurteilen, aber ich bin sicher, dass man auch als Design-Analphabet auf Anhieb in der Lage ist, das Bessere zu erkennen – solange man den Vergleich hat! Das fängt bei Kindern an und ist genuin menschlich. Wir haben ein Qualitäts-Gen in uns, das sich durchsetzt, solange die Menschen in…

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Nr. 2/2015