Lesezeit 18 Min
Kultur

Nicholas Müller

„Ganz sauber sind wir alle nicht.“

FLORIAN DANNER
von
André Boße
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Kultur

Zur Person

Nicholas Müller, geboren am 19.10.1981 in Prüm in der Eifel, absolvierte nach der Schule eine abgebrochene Ausbildung zum Heil-Erziehungspfleger in einem Wohnheim für Menschen mit Mehrfachbehinderung. Die Musik nahm schon früh in seinem Leben einen so großen Stellenwert an, dass er die Ausbildung abbrach und als Hausmeister und Barmann jobbte, bis er schließlich nach dem Durchbruch mit seiner Band Jupiter Jones von der Musik leben konnte. Seine Frau hat er erst nach der Erkrankung kennengelernt, sie sind seit viereinhalb Jahren verheiratet, haben eine Tochter und leben in Münster.

Münster. Nicholas Müller ist wieder da. Vor einem Jahr verließ er seine Band Jupiter Jones. Er leide unter Angststörungen, könne nicht mehr, wolle nicht mehr. Fans und Medien waren überrascht, auch ein bisschen ratlos: Ein junger Mann beendet freiwillig seinen Traum, weil er Angst hat? Damals hatte er keine Kraft, sich länger zu erklären. Heute, nach einer erfolgreichen Therapie, holt er das nach. Zwei Stunden dauert das Gespräch, der 33-jährige redet ausführlich über Gott und Schicksalsschläge, Panikattacken und Todesangst. Er will hier keinen Seelenstriptease ablegen, sondern erreichen, dass man seine Angststörung als das betrachtet, was sie nun einmal ist: eine ganz normale Krankheit.

Nicholas Müller, wie geht es Ihnen?

Gut. (überlegt kurz) Doch, doch, mir geht’s sehr gut.

Vor genau einem Jahr haben Sie mit den Worten „Ich kann nicht mehr“ wegen Ihrer Angststörung den Ausstieg bei Ihrer Band Jupiter Jones verkündet. Wie ging es Ihnen damals?

Bei uns in der Eifel sagt man: „Beschissen wäre geprahlt.“ Ich hatte so einige Tiefpunkte in den letzten Jahren. Dieser Moment gehört in die Top Drei.

Was hat ihn so schlimm gemacht?

Wir waren als Band zwölf Jahre lang zusammen, haben getourt und an unserer Musik gearbeitet – kurz: Die Band, das war mein Leben. Ich habe die Jungs in manchen Monaten häufiger gesehen als meine Frau. Und als vor einiger Zeit meine Oma und meine Mutter sehr schnell hintereinander gestorben sind, war die Band tatsächlich so etwas wie eine Ersatzfamilie. Dann festzustellen, nicht mehr…

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Nr. 5/2015