Lesezeit 20 Min
Kultur

Lukas Graham Forchhammer

„Ich betrachte mich als Advokat für eine freiere und liberalere Gesellschaft.“

By Politikeren (Own work) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Sascha Krüger
Lesezeit 20 Min
Kultur

Zur Person

Lukas Graham Forchhammer kam 1988 zur Welt und verbrachte seine Kindheit in der Freistadt Christiania, einem autonomen Stadtteil von Kopenhagen. Schon als Kind sang er in einem Knabenchor, in den Neunzigern sammelte er Bühnenerfahrung als Schauspieler und Synchronsprecher in Kinderfilmen. 2008 gründete er mit drei Schulfreunden die Band Lukas Graham, die einen luftigen Stil zwischen Funk, Soul und Pop entwickelte. Gleich die ersten bei YouTube hochgeladenen Songs entwickelten sich zu Underground-Hits in der dänischen Musikszene. Seither wächst der Erfolg der Band in gewaltigen Schritten. Forchhammer gilt als einer der politisch wachsten Figuren der dänischen Kulturszene, der Interviews wie Songs dafür nutzt, sein Publikum auf neue Gedanken zu bringen. Heute lebt Graham Forchhammer zwei Straßen entfernt von Christiania in Kopenhagen.

Kopenhagen. In seiner Heimat Dänemark ist Lukas Graham mit seiner von Funk und Soul getriebenen Musik inzwischen ein Superstar, der am Folgeabend des Gesprächs eine Halle mit 10.000 Zuschauern ausverkauft. An diesem Nachmittag ist er der lässige, aufmerksame Typ von nebenan, der uns auf einen dreieinhalbstündigen Spaziergang durch seine Kinderstube Christiania einlädt, einer alternativen Wohnsiedlung und autonomen Gemeinde mit eigener Verwaltung und großem Hippie-Charme. Es wird ein ausgiebiger Rundgang, begleitet von einem spannenden Gespräch, das zahllose Themen berührt. In den Gedanken des 27-Jährigen spiegelt sich ein gesellschaftlicher Horizont, der vermuten lässt, dass das Aufwachsen in der wohl berühmtesten Freistadt der Welt einen außergewöhnlich wachen Blick auf die moderne Welt erlaubt.


Die Begegnung beginnt beim Lunch in einem Café unweit von Christiania. Es gibt ein typisch dänisches Mittagessen: sehr herzhaft, sehr fleischig. Graham bestellt Tartar und sagt, fast entschuldigend: „Ich hatte jetzt einen ganzen fleischlosen Monat. Das mache ich vor Tourneen oft, denn unterwegs achtet man nicht mehr so darauf, was man zu sich nimmt. Mal sehen, was es mit mir macht.“ Wir befinden: Es macht ihn wach und eloquent.


Lukas, wir befinden uns jetzt zwei Blocks entfernt von Christiania. Wohnen Sie noch dort?

Nein, aber direkt um die Ecke. In Christiania selber findet man nur schwer Wohnraum. Es gibt eben viele Leute, die dort leben wollen. Und da in diesem Ort stets die Gemeinschaft entscheidet, ob ein Neuer hinzuziehen darf oder nicht, ist es mir nicht gelungen, dort etwas Passendes zu finden.

Selbst Ihnen nicht, dem promintesten Kind des Viertels, das dort seit der…

Jetzt weiterlesen für 0,62 €
Nr. 12/2016