Lesezeit 18 Min
Gesellschaft

Katja Kullmann

„Die Führungsetage ist nicht das Stockwerk, in dem man klüger wird.“

Anne-Lena Michel
von
Marcus Ertle
Lesezeit 18 Min
Gesellschaft

Zur Person

Katja Kullmann wurde am 16. Juli 1970 in Bad Homburg geboren. Sie studierte Soziologie, Politikwissenschaften und Amerikanistik in Frankfurt am Main und begann danach bei der DPA als Volontärin. Als freie Journalistin schreibt sie für die FAZ, taz, der Freitag, Emma und den Tagesanzeiger. Zudem verfasst sie Erzählungen und Sachbücher und setzt sich als Essayistin überwiegend mit Geschlechterfragen, dem Thema Arbeit, Popkultur und sozialer Gerechtigkeit auseinander. 2011 veröffentlichte sie das Sachbuch „Echtleben. Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu haben“, in dem sie sich mit den prekären Erwerbsverhältnissen in der Kreativwirtschaft auseinandersetzt und auch ihre eigene Übergangszeit als Hartz IV-Empfängerin schildert. 

Berlin. Katja Kullmann stellt noch eben die Musik im Hintergrund ab und los geht’s mit dem Interview. Womöglich könnte man mit dieser Frau über wirklich alles reden: beim Ukraine-Konflikt anfangen, einen kleinen Schlenker Richtung Klatsch und Tratsch, Mann und Frau machen, die Frage nach Gott streifen, nebenher über die Eitelkeit der Geistesarbeiterkollegen witzeln, und darüber, warum der ganze Zirkus des Lebens trotz allem so einen Spaß macht. Gut, der Ukraine-Konflikt ist am Ende irgendwie unter den Tisch gefallen, die anderen Fragen zum Glück nicht. So hat die Autorin genug Gelegenheit, ihre Schlagfertigkeit unter Beweis zu stellen.

Frau Kullmann, sind Sie gerade mürrisch oder milde?

Katja Kullmann: Ach, ich bin eigentlich ziemlich milde, wieso?

Ich dachte mir, entweder ist sie mürrisch oder sie denkt sich: „Wieso eigentlich mürrisch? Ich werde milde sein!“

Tatsächlich war es ungefähr so. Weil ich beim Vorgespräch eben nicht ganz verstanden hatte, was Sie mit mir vorhaben, was Sie von mir wissen wollen. Da war ich wirklich etwas mürrisch. Aber nun fragen Sie einfach!

Sind Frauen tendenziell bescheidener als Männer? In dem Sinn, dass sie gar nicht automatisch denken, dass sie lauter unnötigen Mist in die Welt pusten müssen?

Ich denke, dass Frauen größere Bedenken haben, bestimmte Revierspielchen mitzumachen. Das liegt aber keinesfalls an einem Biologismus in dem Sinn, dass Frauen das sanftere Geschlecht wären. Das hat mit einer Beobachtung zu tun:…

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Nr. 4/2015