Lesezeit 14 Min
Kultur

Juli Zeh

„Jeder Mensch ist ein Universum, in dem er immer Recht hat.“

THOMAS MÜLLER
von
Sylvie-Sophie Schindler
Lesezeit 14 Min
Kultur

Zur Person

Juli Zeh wurde 1974 in Bonn geboren. Nach ihrem Abitur studierte sie Rechtswissenschaften in Passau und Leipzig. 1998 legte sie das beste Jura-Examen in ganz Sachsen ab. Als Schriftstellerin wurde sie 2001 mit ihrem Debütroman „Adler und Engel“ bekannt, der mittlerweile in mehr als 30 Sprachen übersetzt worden ist. Ihr bekanntestes Buch „Spieltrieb“ wurde 2006 am Hamburger Schauspielhaus dramatisiert. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen wie den Deutschen Bücherpreis, den Hölderlin-Förderpreis und den Carl-Amery-Literaturpreis. Seit Jahren äußert sie sich zu aktuellen politischen Fragen und engagiert sich als Datenschutzaktivistin. Zeh lebt mit ihrem Mann und ihren zwei Kindern in einem 300-Seelen-Dorf im Havelland.

Lanzarote. Juli Zeh macht Schreiburlaub auf den Kanarischen Inseln, das nächste Werk ist bereits in Arbeit. Am Tag vor unserem Telefonat bittet sie darum, den Termin um wenige Stunden nach vorne zu verlegen. Der Grund ist die typische Alltagssorge einer Mutter: Die verabredete Kinderbetreuung klappt nicht. Im Gespräch begegnet die Schriftstellerin immer wieder sich selbst, mit dem Mut zu radikaler Ehrlichkeit. Sofort wird klar: Hier spricht eine Frau mit einem freien und wachen Geist und ohne Angst. Das abgrundtief Böse ist genauso Thema wie die ungebändigte Lust an Klatsch und Tratsch.

Frau Zeh, mögen Sie Klatsch?

Ich liebe Klatsch. Ich bin eine Informations-Voyeurin und höre liebend gern Einzelheiten aus dem Privatleben anderer Leute. Am schönsten wäre es, unsichtbar zu sein und sich in die Küche von jemandem zu setzen, um alles mitzukriegen, was da gerade passiert und geredet wird. Politisch bin ich ja Überwachungsgegnerin – vielleicht gerade weil ich weiß, wie viel Spaß es…

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Nr. 13/2016