Lesezeit 18 Min
Gesellschaft

Jürgen Höller

„Erfolg als solcher ist charakterunabhängig.“

von
Sascha Krüger
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Gesellschaft

Zur Person

Jürgen Höller wurde 1963 in Schweinfurt geboren. Auf die Schule folgte eine Lehre als Speditionskaufmann, die er 1982 nach dem Erwerb eines Fitnessstudios abbrach. Ende der Achtziger begann er als Unternehmensberater, 1991 gründete er seine erste Firma für Motivationstraining. Höller stieg rasch zum prominentesten Vertreter der Branche auf, schrieb zahlreiche Sachbuch-Bestseller und verdiente Tagesgagen von bis zu 50.000 Euro. Seine Vision von Europas führendem Weiterbildungs-Konzern zerplatzte im Zuge eines gescheiterten Börsengangs, Höller landete vor Gericht und danach im Gefängnis. Seit seiner Privatinsolvenz 2007 plant er strategisch seine Rückkehr. Jürgen Höller lebt mit seiner Familie noch immer in Schweinfurt.

Bremen. Die Lobby des Kongress-Hotels platzt aus allen Nähten. 300 meist leger gekleidete Personen tragen Namensschildchen, auf denen neben dem eigenen Namen auch der von Jürgen Höller steht. Auf meterlangen Tischen liegen Höller-Bücher, -DVDs und -Devotionalien: Deutschlands Motitivationsguru Nummer eins ist auch in der Kaffeepause zwischen zwei Seminarabschnitten allgegenwärtig. Nun sitzt er neugierig, gelassen und sehr zufrieden in einem Sessel. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen, nicht einmal Fragen nach Gefängnisessen, Platzangst und Selbstzweifeln. Wir haben Zeit, denn das nächste Seminar hält einer seiner Mitarbeiter ab. Der natürlich von Jürgen Höller ausgebildet wurde.

Herr Höller, kann man sich als Deutschlands führender Motivationstrainer schlechte Laune erlauben?

Jürgen Höller: In meinem Beruf wäre das vermutlich eher störend, aber davon ab sind Motivationstrainer auch nur Menschen. Es ist nicht so, dass ich den ganzen Tag immer nur herumlaufe und jubiliere. Aber im Motivationstraining steckt eben auch die Lebenskunst, sich bewusst weniger zu ärgern und schlechte Laune zu verbreiten. Meistens regt man sich sowieso über vollkommen unwichtige Dinge auf.

Sie auch?

Sicher. Wenn mich auf der Autobahn zum Beispiel irgendein Idiot schneidet, kann ich mich unheimlich darüber ärgern, während der vermutlich einfach fröhlich weiterfährt. An dem Beispiel kann man aber gut den Auseinandersetzungsprozess erkennen: Ich rege mich auf, bekomme schlechte Laune – frage mich dann aber auch, warum ich schlechte Laune bekomme.…

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Nr. 6/2015