Lesezeit 17 Min
Kultur

Judith Hermann

„Früher war der Tisch einfach leerer.“

ANNE-LENA MICHEL
von
Patrick Wildermann
Lesezeit 17 Min
Kultur

Zur Person

Judith Hermann wurde 1970 in Berlin geboren. Ihrem Debüt „Sommerhaus, später“ (1998) wurde eine außerordentliche Resonanz zuteil. 2003 folgte der Erzählband „Nichts als Gespenster“. Einzelne dieser Geschichten wurden 2007 für das Kino verfilmt. 2009 erschien „Alice“, fünf Erzählungen, die international gefeiert wurden. 2014 veröffentlichte Judith Hermann ihren ersten Roman, „Aller Liebe Anfang“. Für ihr Werk wurde sie mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter dem Kleist-Preis und dem Friedrich-Hölderlin-Preis. Die Autorin lebt und schreibt in Berlin.

Berlin. Das Interview mit Judith Hermann findet in der Hauptstadt-Dependence ihres Verlags in Kreuzberg statt. Die Schriftstellerin kehrt gerade von der Fotosession im Hof zurück, sie wirkt aufgeräumt und neugierig. Es ist das erste Gespräch überhaupt, das sie über ihren neuen Erzählband „Lettipark“ führt. Das Schlafwandlerische und Entrückte ihrer Figuren strahlt sie selbst nicht aus. Hermann antwortet hellwach und in gestochen klaren Sätzen.

Frau Hermann, zum Alleinsein gibt es keine Alternative, oder?

Oh, das ist ein rasanter Einstieg in ein Interview! Aber wir können uns gerne kategorisch darauf einigen – allem Anschein nach ist das so, ja. Allerdings kann man dieses Alleinsein gestalten, es gibt Haltungen, mit denen man ihm begegnen kann. Und manchmal gibt es auch Konstellationen oder Situationen, in denen man mit dem Alleinsein beinahe einverstanden sein darf. Je älter man wird, desto bewusster geht man möglicherweise damit um? Man fügt sich, so kommt es mir jedenfalls vor.

Heißt das trotzdem, dass die Nähe zu anderen Illusion bleiben muss?

Es bedeutet jedenfalls nicht, dass man sich nichts mehr vorstellen, sich nichts mehr wünschen sollte. Sich mit dem Alleinsein abfinden heißt nicht, sich von jeglicher Utopie zu verabschieden. Das Illusorische, die Träume bleiben.

Während der Lektüre Ihres jüngsten Erzählbands „Lettipark“ muss man gelegentlich an den Titel eines Stücks von Peter Handke denken: „Die Stunde, da wir nichts voneinander wußten“. Nur dass es bei Ihnen das ganze…

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Nr. 15/2016