Lesezeit 15 Min
Kultur

Johanna Wokalek

„Auch wir haben Traditionen, eine Geschichte und Prägung.“

ANDREAS HORNOFF
von
Sascha Krüger
Lesezeit 15 Min
Kultur

Zur Person

Johanna Wokalek kam 1975 in Freiburg im Breisgau zur Welt. Nach dem Abitur wurde sie am Max-Reinhardt-Seminar in Wien aufgenommen, wo sie ihre Schauspielausbildung erhielt und überdies einen Platz im festen Ensemble des Wiener Burgtheaters ergatterte. Zum Film stieß Wokalek Ende der Neunzigerjahre und war bis auf eine Nebenrolle in „Aimee & Jaguar“ (1998) zunächst in Indie-Produktionen aktiv. Einem breiteren Publikum wurde sie erstmals 2005 durch Til Schweigers „Barfuss“ bekannt. 2014 übernahm sie bei den Salzburger Festspielen erstmals eine Opernrolle. Gemeinsam mit ihrem Mann, dem Dirigenten Thomas Hengelbrock, betreibt sie unter dem Titel „Nachtwache“ eine Reihe, die sich den Gedichten und Liedern der deutschen Romantik widmet. Das Paar hat einen Sohn und lebt in Paris.

Hamburg. Verglichen mit ähnlich erfolgreichen Kolleginnen sind Interview- Gelegenheiten mit Johanna Wokalek eher selten. Heute führt sie ihre Hauptrolle in dem unlängst fertiggestellten TV-Drama „Landgericht“ nach Hamburg, das wir gemäß unserer zeitlosen Gesprächsweise nur am Rande streifen. Stattdessen widmen wir uns ihrem kürzlich erfolgten Umzug nach Paris, fragen nach ihren Eindrücken von der gebeutelten Stadt und enden bei einer fulminanten Liebeserklärung an die Epoche der deutschen Romantik, die sie gemeinsam mit ihrem Mann seit fünf Jahren auf der Bühne würdigt.

Frau Wokalek, die Anschläge von Paris liegen gut ein Jahr zurück. Haben sich seither die Lebensbedingungen in Ihrer Wahlheimat verändert?

Über die Veränderungen kann ich wenig sagen, da ich ja erst seit drei Monaten in Paris lebe. Ich sehe die Stadt vor allem aus dem gegenwärtigen Blick. Dabei fällt mir auf, wie präsent das Militär überall ist. Die häufigen Begegnungen mit den Soldaten lassen einen immer wieder daran denken, was geschehen ist und machen einem bewusst, dass sich die Stadt weiterhin im dauerhaften…

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Nr. 20/2016