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Kultur

Jean-Michel Jarre

„Nostalgie ist etwas für Weicheier und Heulsusen.“

JENS KOCH
von
Sascha Krüger
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Kultur

Zur Person

Der Elektronikmusik-Pionier Jean-Michel Jarre kam am 24.8.1948 in Lyon als Sohn des (Filmmusik-)Komponisten Maurice Jarre zur Welt. Mit fünf Jahren erlernte er das Klavierspielen, als Teenager gründete er erste Bands. Ab Ende der Sechzigerjahre arbeitete er an der Entwicklung von „Musique Concrète“ mit und entdeckte seine Leidenschaft für elektronische Klänge. Zunächst schrieb er ein Elektronik-Ballett und Filmmusiken, mit dem 1977 veröffentlichten Album „Oxygene“ begann seine Karriere als führender Musiker der elektronischen Musik. Er verkaufte bis heute mehr als 80 Millionen Platten. Ab Ende der Siebzigerjahre veranstaltete er monumentale Konzerte und wurde als erster westlicher Künstler nach China eingeladen. Jarre hat mit der Schauspielerin Charlotte Rampling ein gemeinsames Kind, ein zweites stammt aus einer früheren Ehe. Er lebt in Paris und an der südfranzösischen Riviera.

Hamburg. Bereits vor einigen Wochen hatte Jean-Michel Jarre sein neues Album „Electronica“ in Paris vorgestellt. Die Zeremonie verriet, dass der Mann, der einst ein ganzes Arrondissement als Bühne für seine Live-Aufführung zweckentfremdete, nach wie vor zu den relevantesten Stichwortgebern moderner Musik gehört. Die ungebrochene Begeisterung des Elektronik-Pioniers vermittelt sich auch beim Interviewtermin in Deutschland. Der 67-Jährige erzählt, zwar mit deutlichem Akzent, aber in wohl gesetzten Worten und in fließendem Englisch von seinen Projekten, Ideen und Ansätzen der letzten vier Jahrzehnte. Jarre vergleicht Innovation mit dem Erfinden einer neuen Sprache, insistiert, dass die nächste Revolution bevorsteht, und erklärt, wie ein Musiker, der einst als Studio-Eremit galt, über die Kollaboration eine neue Wahrheit über die Freundschaft fand.

Herr Jarre, Sie gelten als Pionier der elektronischen Musik und Meister des Ambient-Sounds. Woher rührt Ihr ursprüngliches Interesse an der Innovation?

Wahrscheinlich noch von meinem Großvater, einem sehr…

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Nr. 9/2015