Lesezeit 20 Min
Kultur

Gregory Porter

„Mich interessiert der Rassismus in den Herzen.“

JONAS HOLTHAUS
von
Sascha Krüger
Lesezeit 20 Min
Kultur

Zur Person

Gregory Porter kam 1971 in Los Angeles zur Welt und wuchs im Stadtteil Bakersfield auf. Schon als Kind sang er im Gospelchor der Kirche und verschlang die Alben von Nat King Cole, Nina Simone und Leon Thomas. Eigentlich eine Karriere als American Footballer anstrebend, musste er sein Stipendium an der San Diego State University nach einer schweren Schulterverletzung aufgeben. Erst danach wandte er sich ganz der Musik zu. 2010 erschien sein Debütalbum „Water“, mit mäßigem kommerziellem Erfolg, aber seiner ersten Grammy-Nominierung. Eine zweite folgte für den Nachfolger „Be Good“. Mit dem dritten, 2013 veröffentlichten Werk „Liquid Spirit“ kam der internationale Durchbruch. Der Jazz-/Soul-Sänger mit der markanten Mütze, die wohl eine Kopfverletzung verdeckt, lebt in Brooklyn.

Berlin. Wer seine Stimme kennt, diesen Klang gewordenen Samtstoff, ist vielleicht weniger überrascht, aber selbst dann beeindruckt, wie Gregory Porter mit seiner Ruhe einen ganzen Raum ausfüllt. Wie ein altersweises Familienoberhaupt, das nichts mehr erschüttern kann, sitzt der Mann mit der Mütze im Sessel und gibt wohlformulierte Antworten. Die Themen sind dabei fast egal – ob Anekdoten aus seiner Kindheit mit sieben Geschwistern und einer predigenden Mutter, der Frage, was einen Mann zu einem Mann macht, oder Überlegungen zum real existierenden Rassismus in den heutigen USA: Man hört ihm gerne zu. Da Porter während des Gesprächs einen leichten Lunch zu sich nimmt, beginnen wir mit seiner zweiten großen Leidenschaft: dem Kochen.

Mister Porter, man erzählt sich, dass Sie ein ausgezeichneter Koch seien. Sehen Sie Parallelen zwischen einem gelungenen Gericht und einem gelungenen Song?

Absolut. Beides kann das Herz berühren, Erinnerungen aus der Vergangenheit wachrufen, einen einlullen oder verzücken. Oder einen dazu inspirieren, selber eine gute Suppe zu kochen oder einen schönen Song zu singen. Selbst die physische Komponente weist Parallelen auf: Jemandem einen Teller mit gutem Essen vorzusetzen besitzt eine ähnliche Kraft, Höflichkeit und Verbindlichkeit, wie demjenigen einen Song vorzutragen. Dann die Zubereitung: All die Gedanken, die man sich über die jeweiligen Zutaten macht, was man womit mischt – diese Prozesse sind beim Kochen und Musizieren absolut vergleichbar. Zumindest für mich. Sie haben damit im übrigen exakt die beiden Aspekte genannt, die für mein eigenes Leben die größte Rolle spielen.

Stimmen Sie bei der Kreation Ihre Zutaten auf den…

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Nr. 14/2016