Lesezeit 22 Min
Kultur

Funny van Dannen

„Ich bin doch nicht nur für Revolutionen zuständig!“

MARZENA SKUBATZ
von
Marcus Ertle
Lesezeit 22 Min
Kultur

Zur Person

Funny van Dannen wurde 1958 in Tüddern nahe der niederländischen Grenze unter dem bürgerlichen Namen Franz-Josef Hagmanns-Dajka geboren. 1978 zog er nach Berlin, wo er zum Grafikdesigner ausgebildet wurde. Seine eigentliche Leidenschaft gilt der Kunstmalerei, seit 1980 stellt er seine Bilder aus. Als Songschreiber war er Gründungsmitglied der Lassie Singers und ist seit 1999 für die Toten Hosen tätig. Seit 1991 veröffentlicht er außerdem als Schriftsteller. 1995 kam sein erstes Soloalbum auf den Markt. Seine immense Reputation hat er sich unter Verweigerung gängiger Marketingmaßnahmen vor allem durch ausgiebige Lese- und Konzertreisen erspielt. Van Dannen lebt mit seiner Familie in Berlin.

Berlin-Dahlem. Biergärten sind die besten Orte für Gespräche, es könnte ringsherum ein Krieg ausbrechen, im Biergarten wär‘s einem gleich. Die dazu passende Gelassenheit strahlt Funny van Dannen aus. Eine echte Entspanntheit, keine, die man Interviewpartnern in Einleitungstexten als Phrase unterstellt. Man könnte den Liedermacher, Autor und Maler für einen lebensklugen Sozialpädagogen halten, mit seinem weichen, gutmütigen, rheinischen Klang in der Stimme. Wären da nicht seine weniger gemütlichen Aussagen, etwa, wenn es um die Bekämpfung der „Vatikandeppen“ und anderer Hardliner oder das fiktive Leitungsgremium der kapitalistischen Weltverschwörung geht. Bei weisen Elefanten, traurigen Orang-Utans und Poesiealbumsprüchen hat allerdings alles wieder ruhige Hand und Fuß.

Herr van Dannen, was gab es heute zum Frühstück?

Brot, Gurke, Mohrrübe, Apfelsine.

Um wieviel Uhr sind Sie aufgestanden?

Heute war es ein bisschen später, halb neun. Während der Schulzeit stehe ich mit dem Jüngsten auf, um halb sieben.

Gibt es Regretting Fatherhood, wenn man wegen der Kinder so früh aus dem Bett muss?

Nein, ich war nie so ein Langschläfer, und wenn die Kinder dann da sind, denkt man nicht in so egoistischen Kategorien. Sie brauchen einen und dann ist man eben auch nachts präsent. Ich finde es total übertrieben, wie manche Leute die Elternschaft darstellen. Die tun ja gerade so, als würde durch die Kinder ein ganz neues Leben beginnen oder manchmal auch, als würden ihnen erst jetzt die Augen für die vielfältigen Seiten des Lebens geöffnet. Das finde ich ein bisschen dämlich.

Wieso?

Weil man viele Dinge auch ohne Kinder checken kann. (lacht)

Was denn zum Beispiel?

Dass es nicht nur einen selbst auf der Welt gibt und man durch das Kümmern um andere Menschen auch ein gutes Gefühl bekommen kann. Das ist natürlich abhängig davon, was man vom Elternhaus mitgekriegt hat. Wenn man von…

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Nr. 17/2016