Lesezeit 24 Min
Kultur

Elke Heidenreich

„Gelassener als jetzt werde ich nicht mehr.“

MARINA WEIGL
von
Christoph Schwartländer
Lesezeit 24 Min
Kultur

Zur Person

Elke Heidenreich wurde 1943 in Korbach geboren und wuchs in Essen und Bonn auf. Ihr Studium gab sie für den Journalismus auf. Bekannt wurde sie ab 1976 in ihrer Rolle als Metzgersgattin Else Stratmann. Zugleich empfahl sie Bücher, moderierte Talkshows und schrieb Hörspiele und Fernsehserien. 1992 veröffentlichte Elke Heidenreich ihr Debüt „Kolonien der Liebe“. Ab diesem Zeitpunkt wurde jedes ihrer Bücher zu einem Bestseller. Fünf Jahre lang führte sie erfolgreich durch die ZDF-Literatursendung „Lesen!“, bis der Sender sich wegen ihrer kritischen Äußerungen zum Programm von ihr trennte. Nach wie vor bringt sie den Menschen ihre Leidenschaften Literatur und Musik nahe: in Zeitungen, im Radio, im Fernsehen und auf Bühnen im ganzen Land. Elke Heidenreich war mit Gert Heidenreich und Bernd Schroeder verheiratet. Mit dem Komponisten Marc-Aurel Floros und Mops Vito lebt sie im Süden von Köln.

Köln. Die Gemälde über dem Sekretär, an dem sie jeden Abend Briefe schreibt. Die Laube im Garten, in der an zwei Nachmittagen „Nero Corleone“ entstand. Eine Sandsteinkiste mit Büchern aus Granit, über Jahre gemeißelt von ihrer besten Freundin, die sie am Sterbebett begleitete. So offen wie Elke Heidenreich im Gespräch durch ihr Leben führt, führt sie rund um das Interview den Besuch durch ihr Haus, in dem jedes Objekt eine eigene Geschichte besitzt. Manche ihrer Erinnerungen bringen sie an den Rand der Tränen, andere sorgen dafür, dass sie sich leidenschaftlich echauffiert. Die Fotografin bittet sie mit in die Runde des Erzählens, Ereiferns und Erinnerns, die von Kaffee, Kuchen, ihrem Mops und einem sehr lebhaften Eichhörnchen begleitet wird.

Frau Heidenreich, wann haben Sie zuletzt blaue Schuhe getragen?

In letzter Zeit weniger aufgrund des kalten Wetters, aber auf Lesereisen trage ich sie in jedem Fall. Heute hätte ich sie anziehen können, da ich ohnehin schon blaue Klamotten gewählt habe.

Das blaue Paar Schuhe ist für Sie ein lebenslanger Glücksbringer?

Bei mir sind stets die Kleinigkeiten wichtig. Als Kind dachte ich schon: Wenn ich auf dem Bürgersteig auf die Ritzen trete, schreibe ich eine vier. Schaffe ich es den ganzen Weg über, nur die Zwischenräume zu treffen, geht alles gut. Genauso verhält sich das mit den blauen Schuhen. Außerdem: Wer hat schon kornblumenblaue Schuhe? Wahrscheinlich gelingt mir einfach deswegen alles besser, wenn ich sie trage, weil sie mir gute Laune machen und die Dinge mit guter Laune grundsätzlich besser laufen.

Haben Sie auch gute Laune beim Sortieren der Dinge, der Aufgaben, der Termine?

Früher, als ich noch sehr viel gemacht habe, blieb ich morgens nach dem Aufwachen fünf Minuten länger liegen und überlegte systematisch, was alles am Tag zu tun sei. Vom Rausbringen der Mülltonne am Morgen bis zum langen Spaziergang am Rhein am Abend, den ich endlich mal wieder machen wollte und zu dem ich doch nie kam. Abends zog ich Fazit. Was habe ich geschafft? Was nicht? Habe ich überhaupt etwas Gescheites gegessen? Früher mochte ich es gerne, wenn mich ständig etwas antreibt, was in großen Teilen meiner Arbeit…

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Nr. 13/2016