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Wie viel Intensität tut uns gut?

Muss immer alles extrem und besonders sein, damit wir wirklich tief empfinden? Nein, da gibt es wohl ein Missverständnis ...

komposita / pixabay.com
von
Maja Beckers
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Die Sonne brennt, die Luft hat 60 Grad, jeder Schritt versinkt im fließenden Sand der Sahara, weit und breit kein Schatten in Sicht. 250 Kilometer Rennstrecke muss Anne-Marie Flammersfeld hinter sich bringen. Und sie schafft nicht nur das, sie läuft im gleichen Jahr noch durch drei weitere Wüsten. Sie tippen sich an die Stirn? Nicht so schnell! Flammersfeld wählt zwar eine extreme Form von Sport, aber hinter den brennenden Muskeln, der Überwindung und dem High, wenn sie es geschafft hat, steht eine Sehnsucht, die sie wahrscheinlich mit Ihnen teilt, die Sehnsucht nach dem intensiven Leben. Nach etwas, das uns berührt, wofür das Herz brennt – danach, sich sagen zu können, dass man das Leben voll auskostet.

Die Suche nach dem Intensiven ist heute keine Ausnahmeerscheinung, sondern so etwas wie das Leitmotiv unserer Zeit, schreibt der französische Philosoph Tristan Garcia in seinem Buch, „Das intensive Leben“, das gerade viel diskutiert wird.

Er scheint einen Nerv getroffen zu haben. Laut Garcia suchen manche das Intensive im Sport, andere, indem sie eine Nacht auf MDMA durchtanzen, wieder andere in der ganz großen Liebe, in Abenteuerreisen, in inbrünstigem Engagement für eine Sache, in Sex oder in der Kunst. Man hat dabei nicht einfach Sex, man sucht Wege, ihn noch intensiver zu machen, man schaut nicht einfach eine Ausstellung an, man hofft, dass sie einen tief berührt. Das-macht-etwas-mit-mir ist die Voraussetzung, um etwas gut zu finden – und das…

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Nr. 10/2017