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Wie geht glückliche Familie?

Sie soll harmonisch sein, Halt geben, zufrieden machen. Klappt nur nicht immer. Gar nicht so schlimm, sagt Familientherapeutin Britta Beck

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von
Maja Beckers
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In Tolstois „Anna Karenina“ gibt es den berühmten Satz: „Alle glücklichen Familien gleichen einander, jede unglückliche Familie ist auf ihre eigene Weise unglücklich.“ Frau Beck, Sie haben viele Jahre Erfahrung als Familientherapeutin und Supervisorin. Stimmen Sie diesem Satz zu?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Vielleicht ist es sogar eher andersherum: Es sind oft ähnliche Themen, die es ihnen schwer machen, aber wie sich jede Familie auf Lösungssuche macht, das ist verschieden.

Welche Themen sind denn schwierig?

Im Moment begegnet mir oft das Problem Gerechtigkeit. In meine Praxis kommen viele Paare mit kleinen Kindern, die damit kämpfen, Beruf und Familie unter einen Hut zu bekommen, und total erschöpft sind. Und wer erschöpft ist, hat keine Kapazitäten mehr, großzügig zu sein. Dann streitet man um Fragen wie: Wer holt die Kinder öfter ab? Wer kann häufiger zum Sport? Wer bekommt mehr Schlaf? Und jeder hat das Gefühl: Ich muss zusehen, wo ich bleibe.

Wie kommt man da raus?

Unterm Strich müssen alle zu ihren Bedürfnissen kommen, aber im Moment haben sie das Gefühl, jeder kämpft für sich allein und hat den anderen aus den Augen verloren. Ich rate Eltern in der Situation, das mal umzudrehen: Ich kümmere mich darum, dass du das kriegst, was du brauchst. Dass du schlafen kannst, dass du zum Sport kommst etc. Das Ergebnis ist das Gleiche, aber das Gefühl ist ein anderes…

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Nr. 1/2017