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Vater, Mutter und das ewige Kind

Die Familie ist entscheidend für unser Seelenleben, sagt der Psychologe Wolfgang Hantel-Quitmann, im Guten wie im Gegenteil. Die gute Nachricht: Wir können später noch sehr viel korrigieren

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von
Maja Beckers
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Zwischen zwei Therapiesitzungen hat Wolfgang Hantel-Quitmann Zeit für ein Interview in seiner Hamburger Praxis. Er ist Paar- und Familientherapeut sowie Professor für Familienpsychologie. Hier erklärt er, wie uns die Familie prägt – und ob man ungeliebte Einflüsse wieder loswerden kann.

Professor Hantel-Quitmann, wenn meine Familie verkorkst ist, bin ich dann für immer verloren?

Nein, man hat immer die Möglichkeit zu Korrekturen. Aber die ersten Kindheitsjahre sind die prägenden fürs Leben. Hier entwickeln wir ein „Inneres Arbeitsmodell“, mit dem wir der Welt von da an begegnen. Das können wir später verbessern, aber die Grundausstattung bekommen wir davor: Wie gehe ich an Konflikte heran, wie reagiere ich auf neue Situationen...

Wie sehr wird dieses Arbeitsmodell von der Familie bestimmt? Kinder haben ja auch noch andere Einflüsse wie Kita, Schule und Freunde.

Ja, aber die Familie ist entscheidend: Untersuchungen zeigen, dass 80 Prozent aller Kinder aus stabilen, liebevollen Familien sich gut und gesund entwickeln. Und 80 Prozent aller Kinder aus Familien mit hohen Risikofaktoren sich auch problematisch entwickeln. Das heißt: Der Spielraum für den Einfluss von Freunden, Kita und Schule auf die kindliche Entwicklung ist auf etwa 20 bis 30 Prozent begrenzt.

Wie entsteht denn die Prägung in der Familie? Sind es die klassischen Sprüche am Abendbrottisch?

Es ist…

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Nr. 12/2015