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Gesellschaft

Und weg bist du!

Ohne ein Wort aus einer Affäre zu verschwinden, das ist das Allerletzte! Unsere Autorin schreibt sich ihre Wut vom Leib – auf alle, die sogar für eine SMS zu feige sind

Arbol / pixabay.com
von
Kristina Appel
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Gesellschaft

Wann ist es eigentlich gesellschaftsfähig geworden, andere Leute im Regen stehen zu lassen? Vor ein paar Jahren empörte man sich noch über Menschen, die per SMS Schluss machten. Heute wären viele froh, wenn sie zum Abschied wenigstens eine WhatsApp-Nachricht bekämen. Die Zeiten haben sich geändert. Und leider, finde ich, kommen wir dabei nicht gut weg.

Nennen wir ihn Ben. Er und ich hatten uns im Urlaub getroffen. Was für ein Spaß: keine Verbindlichkeiten, keine Erwartungen, wir hatten einfach eine gute Zeit. Ich war richtig baff, als Ben vorschlug, in Kontakt zu bleiben. Weiter schreiben, möglichst bald einen weiteren gemeinsamen Urlaub planen. Keine Versprechen, keine Zugeständnisse, einfach nur zwei Menschen, die sich miteinander wohlfühlen. Handy- Botschaften, Telefonate, viele Fotos, Reiseplanung: alles wunderbar. Bis es nicht mehr wunderbar war. Denn Ben war wie vom Erdboden verschluckt. Keine Reaktion mehr. Keine Antwort. Man stellt sich ja erst mal alles Mögliche vor: ein Motorradunfall? Telefon verloren? Ein Dengue-Rückfall? Eigentlich wusste ich es besser – wir alle wissen es besser: Es war kein Tropensturm, das Handy wurde nicht geklaut, die Oma ist nicht gestorben. Der Grund war ganz klar: Er steht einfach nicht auf dich!

Das, was Ben da mit mir gemacht hat, heißt auf Neudeutsch „Ghosting“. Es ist der internationale Fachbegriff für das sang- und klanglose Verschwinden einer Bekanntschaft, einer Affäre oder gar eines Partners. Ich wage zu…

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Nr. 10/2017