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Sind wir eigentlich alle beziehungsunfähig?

Kaum eine These hört man heute öfter, als die, dass viele Menschen sich nicht mehr binden wollen/können. Die Psychologin und Bestseller-Autorin Stefanie Stahl sagt: Beziehung kann jeder! Und erklärt uns, wie das geht

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von
Silvia Feist
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Nähe und ein Gefühl der Zugehörigkeit, lieben und geliebt zu werden, danach sehnt sich fast jeder. Und trotzdem scheitern Beziehungen so oft, dass viele schon mal gedacht haben: Wieso gerate ich immer an die Beziehungsunfähigen? Und andere sich fragen, ob sie nicht selbst dazu gehören. Darüber haben wir mit der Psychologin Stefanie Stahl gesprochen. Ihr neues Buch hat den vielversprechenden Titel: Jeder ist beziehungsfähig.

Frau Stahl, der Blogger Michael Nast hat mit Lesungen aus seinem Buch „Generation Beziehungsunfähig“ Hallen gefüllt. Die Phänomene, die er beschreibt, wie Unverbindlichkeit oder lieber bei Schwierigkeiten mal eben übers Smartphone wischen und sich jemand Neues suchen, kennen viele. Sind die Leute heute weniger beziehungsfähig?

Nast trifft offenbar ein Lebensgefühl. Aber die Studienlage sagt ganz klar: Die Menschen sind nicht beziehungsunfähiger als früher. Das gesellschaftliche Korsett ist nur viel loser. Es gibt heute mehr Möglichkeiten, Bindungsangst – ich will nicht sagen: auszuleben –, aber mit ihr zu leben.

Gut, andersherum gefragt: Was macht denn Beziehungsfähigkeit aus?

Die richtige Balance zwischen Nähe und Freiheit. Im Kern geht es um Bindung und Autonomie. Beides sind psychische Grundbedürfnisse. Bindung ist existenziell. Wenn am Anfang unseres Lebens keiner da ist, der sich an uns bindet, sterben wir. Ab da ist dann unsere Entwicklung darauf ausgelegt, einerseits…

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Nr. 11/2017