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„Selbstbetrug ist Psychohygiene“

Denken ist schlau. Denken wir zumindest. Denn wir haben das Gefühl, dass wir so uns selbst, andere und die Welt verstehen. Das stimmt auch – außer wenn wir in Denkfallen tappen. Wie wir da rauskommen und wozu ein bisschen Selbstbetrug gut ist

Carlos Alberto Gómez Iñiguez / unsplash.com
von
Silvia Feist
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Wir sind es gewohnt, unserer Wahrnehmung zu vertrauen, und deshalb glauben wir, was wir denken“, sagt der Psychologieprofessor Wolfgang Hantel-Quitmann. Dass das aber nicht immer richtig ist und manchmal sogar Selbstbetrug, darüber hat er gerade ein Buch geschrieben ...

Professor Hantel-Quitmann, Sie fordern, wir sollen nicht alles glauben, was wir denken. Warum?

Die meisten Menschen halten ihr eigenes Denken einfach für natürlich oder sogar objektiv – was ein Trugschluss ist. Es wird von Zufällen, Selbsttäuschungen, Beschönigungen, Irrtümern und Irrationalem beeinflusst. Und nicht selten werden wir Opfer unseres Denkens.

Wie das?

Wir täuschen uns selbst, weil wir bestimmte Dinge glauben und andere nicht glauben wollen. Der Sinn unseres Denkens über uns ist vor allem, ein stabiles, freundliches Verhältnis zu uns selbst zu bewahren. Dafür denken wir uns dann gut, liebenswürdig, aufrichtig, erfolgreich und so weiter. Unsere frühen Erfahrungen prägen nicht nur unser Selbstkonzept, sondern damit auch alle weiteren Erfahrungen. Und manchmal denken wir immer wieder dasselbe, schlicht weil wir es so gewohnt sind.

Kann es nicht sein, dass wir etwas gelernt haben, woraus sich berechtigte Überzeugungen entwickelt haben?

Die Welt wird immer komplexer. Deshalb versuchen wir uns mit Überzeugungen das Leben zu erleichtern. Statt immer wieder alles neu zu überdenken, greifen…

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Nr. 6/2017