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Gesellschaft

Haltung zeigen

So langsam kommen wir nicht mehr drum herum. Die Flüchtlingsdebatte spaltet Deutschland, Familien, Freundeskreise. Einfach nur schweigen ist nicht mehr. Nur: Wie geht das eigentlich – sich eine Meinung zu bilden und dafür einzustehen?

michaelheim / shutterstock.com
von
Miriam Böndel
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Gesellschaft

Deutschland ist keine Insel mehr. Endgültig. Egal, wie sehr wir versucht haben, uns abzuschotten: Mit den Flüchtlingen sind die Folgen der globalisierten Welt vor unserer Haustür angekommen. Laut einer Allensbach-Umfrage glauben 58 Prozent der Deutschen, dass wir in besonders unsicheren Zeiten leben – vor fünf Jahren waren es nur 44 Prozent.

Schon nach den Anschlägen in Paris hat man gespürt, dass sich die Stimmung im Land verändert. Doch spätestens die Aufregung um die Kölner Silvesternacht hat gezeigt, dass ein tiefer Riss durch die Gesellschaft geht. Lange hatten wir es uns mit Kanzlerin Merkel gemütlich gemacht und geglaubt, dass alles bleibt, wie es ist. Ihre Raute war Sinnbild einer fürsorglichen Umhegung – bis sie plötzlich ihre Arme öffnete.

Am Anfang der Flüchtlingsdebatte gab es nur zwei Seiten: die, die am liebsten alle Flüchtlinge zu sich nach Hause geholt hätten, und die, die in ihnen den Untergang sahen. Der Rest der Gesellschaft blieb still, abwartend, ohne die eigenen Sorgen zu artikulieren. Vielleicht in dem Wunsch, sich nicht entscheiden zu müssen zwischen dem Elend der Flüchtlinge und den eigenen Wohlstands- und Sicherheitsinteressen. In dieses Schweigen sind die Ereignisse von Köln wie ein D-Böller gekracht.

Jetzt sprechen plötzlich alle über das Thema. Ganze Familien und Freundeskreise zerreißt die Frage, wie man mit der neuen Realität umgehen soll. Und überall trifft man auf Meinungen und Haltungen, oft radikal…

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Nr. 4/2016