Lesezeit 10 Min
Kultur

Eine aufrechte Frau

Joy Denalane, 43, ist ein „tough cookie“, wie sie über sich selbst sagt. Und sie redet gerne Klartext: über Identität, darüber, was deutsch ist, was sie stark gemacht hat und über den zweiten Anlauf ihrer Liebesbeziehung zu Max Herre

By Der Robert http://www.flickr.com/photos/der_robert/ [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons
von
Ulrike Bremm
Lesezeit 10 Min
Kultur

Das Etikett „Soul-Diva“, das ihr oft anhaftet, ist sicher positiv gemeint. Doch von divenhaftem Benehmen ist die Berlinerin mit der Samtstimme Lichtjahre entfernt. Beim Fotoshooting im „Pauly Saal“ begrüßt Joy Denalane, 43, jedes Teammitglied mit breitem Lächeln. Sie ist unkompliziert und geradeheraus. Bei Unmengen Ingwertee und Kaffee mit Sojamilch reden wir über ihre wiedergefundene Liebe zu Max Herre, Anti-Rassismus – und über Feminismus.

Sie haben fünf Geschwister. Wie hat es Sie beeinflusst, dass Sie mit zwei gro­ ßen Brüdern aufgewachsen sind?

Meine Eltern waren berufstätig, deshalb bin ich im Windschatten meiner Brüder groß geworden, die sechs und acht Jahre älter sind als ich. Sie haben mich vom Kindergarten abgeholt, mit auf den Spielplatz oder den Fußballplatz geschleppt. Sie waren meine Vorbilder, ich habe mir von ihnen den Tonfall abgeguckt, die Körperlichkeit. Meine Brüder haben mich nicht wie ein Mädchen behandelt und auch nicht erwartet, dass ich mich wie ein Mädchen verhalte. Ich war einfach die Dritte im Bunde.

Gab es nie Sprüche von den beiden?

Nein, ich habe nie so was gehört wie „Lach nicht so laut, lauf nicht so breitbeinig, stell nicht so viele Fragen, sei nicht so vorlaut“. Aus solchen Schubladen sollte man sich auch unbedingt befreien. Meine Eltern haben irgendwann gemerkt: Aus der ist ja ein ziemlicher Wirbelwind geworden, mal schauen, ob man das ein bisschen eindämmen…

Jetzt weiterlesen für 0,47 €
Nr. 4/2017