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Ein neues Muster für die Liebe!

Unser Gehirn beeinflusst die Liebe viel stärker, als wir denken. Weil es schon in der Kindheit aus Erfahrungen Muster bastelt, die es später automatisch abruft. Zum Glück lässt sich das ändern. Die Neuro-Paartherapie der Psychologin Christine Geschke kann dabei helfen

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von
Silvia Feist
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Frau Geschke, Sie arbeiten in der Paartherapie mit einem neurobiologischen Ansatz. Was erwartet Paare da?

Natürlich zielt auch meine Therapie auf ein gegenseitiges Verstehen ab. Aber im Gegensatz zur klassischen Paartherapie, die auf psychologische Phänomene fokussiert ist, verfolge ich einen neurobiologischen Ansatz. Ich schaue, welche wesentlichen Erfahrungen hat jemand in der Kindheit im Hinblick auf Beziehung gemacht? Wie ist die elterliche Beziehung erlebt worden? Welche Stellung hatte man in der Familie? Das sind wesentliche Erfahrungen, die unser Hirn sozusagen auswendig lernt. Sie sind dann fest in unserem Cortex repräsentiert. Und weil das Hirn stark mit diesen Erfahrungen verdrahtet ist, möchte es später das, was es gut kann, immer wieder abrufen.

Das heißt, unser Gehirn aktiviert vertraute Muster?

Ja, selbst wenn diese Streit beinhalten oder dysfunktional sind. Das Hirn guckt nicht so sehr darauf, ob ich mich mit etwas wohlfühle, sondern es ruft der Einfachheit halber ab, was es gut kann. Wie entschlüsseln Sie diese Muster? Ich schaue zunächst bei beiden, was ist das denn, was sie gut können, und wie spielt das zusammen? Erst wenn sich ein Bewusstsein dafür entwickelt, wie man sich verhält, kann eine Distanz dazu entstehen, die dabei hilft, dass die Erfahrungen nichts mehr unkontrolliert mit einem machen. Plötzlich sieht man: Ach, jetzt verhalte ich mich genau so, wie es damals war. Und diese…

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Nr. 2/2017