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Gesellschaft

Der Kampf der Löwenmutter Judy Murray

Geh deinen Weg! Was aber, wenn unterwegs alle anfangen, dich zu hassen? Die Britin Judy Murray, 58, hat die beiden besten Tennisspieler ihres Landes erzogen. Und zwar zu Feministen. In ihrer jetzt erschienenen Biografie kann man lesen, was Frauen passiert, die nicht in Normen passen wollen

HeungSoon / pixabay.com
von
Julia Möhn
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Gesellschaft

Da stand sie. In einem grünen Cordblazer von Marks & Spencer, für den sie 29,99 Pfund ausgegeben hatte. Damit war ihr Budget bis zum absolut letzten Penny ausgereizt. Dazu: ein langer Jeansrock und schwarze Stiefel, die mehr historisch interessant als modisch relevant waren. Sie stand in einem Saal voller glitzernder Roben und Dinnerjackets, unmöglich, nicht zu bemerken, wie underdressed sie war. Aber sie stand dort mit frohem Herzen und dem Glauben, unter Freunden zu sein, denn zum ersten Mal in ihrem Leben sollte einer ihrer Söhne ausgezeichnet werden. Von der Community, in der sie die beiden großgezogen hatte, für die sie sich über Jahre eingesetzt hatte.

Dann, der Preis. „Scottish Sports Award for the Junior Player of the Year 2004“. Sie nimmt ihn für ihren jüngeren Sohn entgegen, der in Spanien ein Turnier spielt. Der Moderator fragt, was über Jahre alle fragen werden: „Wann wird Andy Wimbledon gewinnen?“ Sie sagt: „Ich denke, seine Chancen dazu sind besser als die deiner schottischen Lieblingsmannschaft, die Champions

League zu gewinnen.“ Alle lachen. Nur der Moderator nicht. Und zum ersten, aber bei Weitem nicht zum letzten Mal wird sie die Erfahrung machen, dass Männer nicht damit zurechtkommen, wie sie ist. Wer sie ist. Der Moderator, ein nicht gerade überqualifizierter Comedian, mustert sie und sagt: „Hätte Andy dir nicht etwas Anständiges zum Anziehen kaufen können?“ Die Besitzer der Abendkleider und Dinnerjackets lachen. Sie wird Jahre…

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Nr. 1/2018