Lesezeit 9 Min
Politik

Aushungern, austrocknen, aushalten

Was jetzt getan werden kann und muss – und was man besser bleiben lässt

onickz / Shutterstock.com
von
Andrea Böhm
,
Yassin Musharbash
und
Mark Schieritz
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Politik

1. Bodentruppen schicken?

Ein Fußballländerspiel wird abgesagt, ein Stadion evakuiert, und eine ganze Stadt ist augenblicklich in Sorge: Sind die Attentäter schon hier, unter uns? Ja, vielleicht sind sie es, und wenn nicht heute, dann womöglich ein anderes Mal. Niemand kann uns diese Sorge nehmen. Sie ist berechtigt. Real.

Und dennoch: Angst ist kein guter Ratgeber und ein noch schlechterer Begleiter. Jeder muss sein eigenes Rezept finden. Dem einen hilft es, sich klarzumachen, wie viel höher die Wahrscheinlichkeit ist, im Straßenverkehr verletzt zu werden. Der andere denkt historisch, etwa daran, dass es in vergangenen Jahrzehnten viel mehr Terror gab in Europa. Jeder darf Angst haben. Aber wir sollten einander nicht noch anstecken.

Mit spektakulären Anschlägen wie dem von Paris verfolgen Terroristen vor allem zwei Ziele: die betroffenen Gesellschaften zu lähmen und ihre Regierungen in eine strategische Falle zu locken.

Die Kriegsrhetorik, die westliche Politiker und ein ansonsten besonnener Papst jetzt anstimmen, ist genau das, was der IS hören will. Und nichts käme ihm mehr gelegen als der Einsatz von westlichen Soldaten auf seinem Territorium. Sie wären ideale Zielscheiben für Selbstmordattentäter – und ein perfektes Instrument zur Mobilisierung weiterer Dschihadisten.

Wer jetzt nach Bodentruppen oder dem »totalen« Krieg ruft, übersieht etwas Grundlegendes: Die Attentate von Paris, Ankara, Beirut und im Sinai sind…

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Nr. 47/2015