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Kultur

„Wir brauchen eine Stärkung des Politischen!“

Seit Januar ist Marc Grandmontagne Geschäftsführender Direktor des Deutschen Bühnenvereins. Er will sich für eine Stärkung des politischen Diskurses einsetzen – auch, um gegen den rechten Populismus gewappnet zu sein

PAUL LECLAIRE
von
Detlev Baur
,
Detlef Brandenburg
,
Ulrike Kolter
und
Bettina Weber
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Kultur

Herr Grandmontagne wenn dieses Heft erscheint, werden Sie der neue Geschäftsführende Direktor des Deutschen Bühnenvereins sein. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?

Marc Grandmontagne: Primär die Möglichkeiten zur Einflussnahme auf die politisch-rechtlichen Rahmenbedingungen, in denen die Arbeit der Theater und Orchester stattfindet. Deren Rolle halte ich in unserer Gesellschaft für essenziell, und an Herausforderungen besteht wahrlich kein Mangel. Persönlich stehe ich den darstellenden Künsten sehr nahe. Ich übernehme diese Aufgabe wirklich aus Überzeugung, und ich freue mich darauf, sie mit allen anderen anzugehen, mit den Theatern und Orchestern, mit dem Team hier in der Hauptgeschäftsstelle, aber auch mit den Gremien und den Landesverbänden des Bühnenvereins.

Gibt es da eine bestimmte Sparte, einen Künstler, eine Gattung, die Sie besonders mögen?

Marc Grandmontagne: Ich wollte als Jugendlicher eigentlich Musik studieren, ich spiele Klavier und Orgel und komme vor allem aus der Kirchen- und Vokalmusik. Dabei bin ich mit alter und neuer Musik gleichermaßen in Kontakt gekommen und brauche mittlerweile beide Welten. Ich habe im Chor Nono gesungen, Stäbler, Arvo Pärt und einen anderen estnischen Komponisten: Urmas Sisask. Auch die Musik von Pierre Boulez und Erkki-Sven Tüür finde ich unglaublich anziehend. Schon seit meiner Kindheit liebe ich Johann Sebastian Bach, Johann Hermann Schein, Heinrich Schütz, Giovanni Gabrieli … Und die „Marienvesper“ von Claudio Monteverdi! Als ich die das erste Mal gesungen habe, war das für mich – ja, so etwas zwischen Nahtoderfahrung und Wiedergeburt. Was nicht heißen soll, dass es zwischen alt und neu nichts gibt, Gustav Mahler komme ich (oder er mir) immer näher, je älter ich werde. Daneben gibt es aber noch viel anderes: Ich bin immer wieder im Schauspiel oder in der Oper. Und ich begeistere mich – ohne tieferes Verständnis, aber leidenschaftlich – für den Tanz. Da ich lange in Essen gewohnt habe, konnte ich beispielsweise die Ruhrtriennale und PACT Zollverein als willkommene Gelegenheiten nutzen, mir da viel anzuschauen. Eine schöne Erinnerung etwa waren von Anne Teresa de Keersmaeker die beiden Stücke „En Attendant“ und „Cesena“, die einen…

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Nr. 1/2017