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Kultur

„Theater darf nicht gemütlich werden!“

Pınar Karabulut, Nachwuchsregisseurin am Schauspiel Köln, macht mit ihren energiegeladenen Inszenierungen überregional auf sich aufmerksam

Matthew Payne / unsplash.com
von
Bettina Weber
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Kultur

Sie sitzen mit den Schauspielern an einem Tisch, bekommen Torte serviert oder werden offensiv angebaggert: Die Annäherungen ans Publikum in den Inszenierungen der jungen Regisseurin Pınar Karabulut können freundlich sein und kokett – provozieren aber auch oft Beklemmung. Es hat etwas von einem Flirt mit den Zuschauern: unbeschwertes Theater, das mitreißt, einlädt, dann aus heiterem Himmel zupackt. Und es dem Publikum doch nicht leicht macht. „Man kann sich als Zuschauer immer schnell distanzieren. Aber Theater darf nicht gemütlich werden. Wenn ich mich nur in meinen Sessel fläzen will, kann ich auch ins Kino gehen oder zu Hause eine DVD gucken“, sagt Pınar Karabulut. „Es darf nicht sein, dass ich ins Theater fahre, meinen Wein trinke, ins Stück gehe, und sobald ich das Theatergelände verlassen habe, ist das Thema wieder vergessen. Ich muss den Theaterabend, der mich im Idealfall aufgewühlt hat, mitnehmen, weiterdenken und mich noch mehr damit beschäftigen.“

Um die Distanz zum Publikum zu überwinden, setzt sie gerne Lebensmittel ein. Manchmal wird dabei das Publikum eingeladen, zu essen: „Ich mag es, wenn Zuschauer sich fragen: Darf ich das jetzt essen oder nicht? Ähnlich wie im Museum für moderne Kunst, wo ich nicht immer weiß: Darf ich das jetzt anfassen, oder kann ich drübersteigen oder nicht?“, erzählt Pınar Karabulut, die neben Theaterwissenschaft und Neuerer deutscher Literatur auch Kunstgeschichte studiert hat. Bei ihrer…

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Nr. 2/2017