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Kultur

Runter vom Präsentierteller

Ein Gespräch im Schauspiel Hannover über die Arbeit mit jungen Regisseuren. Mit der Schauspielerin Beatrice Frey, der Chefdramaturgin Judith Gerstenberg und Intendant Lars-Ole Walburg

By Christian A. Schröder (ChristianSchd) (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons
von
Detlev Baur
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Redaktioneller Eindruck: Jüngere Schauspielregisseure zeigen in der Regel wenig profilierte Arbeiten. Die sind handwerklich oft ganz gut, aber ein starkes persönliches Anliegen für ihre Art des Theaters ist kaum zu erkennen. Stimmt diese Diagnose aus Ihrer Sicht?

Judith Gerstenberg: Dieser Vorwurf scheint mir zeitlos zu sein. Er traf unsere Generation genauso. Der Verlust kultureller Erinnerung wurde beklagt, die affirmative Feier des Oberflächlichen, das Spiel mit der Ironie. Der Begriff dafür war: Pop-Theater. Aufschlussreich ist vielleicht, wenn man schaut, wer diesen Vorwurf eigentlich formuliert.

Lars-Ole Walburg: Das sehe ich ähnlich. Zumal Leute wie Thalheimer, Stemann oder Pucher in den 90er-Jahren ja auch nur die Spitze eines großen Eisbergs waren.

Es hat sich also gar nichts geändert in den letzten Jahrzehnten bei jungen Regisseuren?

Lars-Ole Walburg: Der Betrieb ist insgesamt hektischer und schneller geworden. Da ist natürlich die Gefahr groß, dass junge Regisseure schnell verheizt werden. Und wenn man dann zweimal einen Flop baut, ist man ganz schnell wieder weg vom Fenster.

Judith Gerstenberg: Stimmt, früher wurde man länger beobachtet und langsam aufgebaut, zwei Jahre dauerte es, bis man im Großen Haus inszenieren konnte. Heute wird fast hysterisch zugeschnappt, sobald jemand auffällt.

Ist die Gefahr des kunsthandwerklichen Gebrauchstheaters an großen Häusern größer als an kleineren?

Judith Gerstenberg: Ich sehe, dass in den…

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Nr. 4/2016