Lesezeit 8 Min
Kultur

Krankreich

Michel Houellebecqs „Unterwerfung“ ist ein Roman von großer politischer Brisanz. Aber ist es ein guter Theaterstoff? Eine Bilanz der ersten drei Inszenierungen

kojoku / Shutterstock.com
von
Detlev Baur
Lesezeit 8 Min
Kultur

Der Roman „Unterwerfung“ von Michel Houellebecq ist zweifellos ein großer Wurf, der auch durch seinen Erscheinungstermin am Tag der mörderischen Attentate auf die Redaktion der Satirezeitschrift „Charlie Hebdo“ gleichsam wie eine Bombe einschlug. Auch ein Freund des Autors war unter den Getöteten. Die Hauptfigur ist ein Pariser Literaturwissenschaftler, dessen Leben außer der Nähe zu seinem lebenslangen Studienobjekt, dem Werk des Dichters Joris-Karl Huysmans, wenig zu bieten hat. Eine Affäre pro Semester, alkoholische Getränke, Fernsehen und Fertigessen. Houellebecq beschreibt einen Einzelgänger, der im Jahr 2022 bürgerkriegsähnliche Zustände in Frankreich erlebt und kurzzeitig aufs Land entflieht. Schon zu Beginn deutet sich an, dass gemäßigt muslimische Kräfte in der Universität an Einfluss gewinnen; Frankreich erlebt den finalen Machtkampf zwischen rechtsextremer Front National, den abgehalfterten etablierten Parteien und der geschickten Bruderschaft der Muslime. Nach Tagen der Verwirrung und Gewalt wird zum ersten Mal ein Muslim Präsident Frankreichs. Frauen in Führungsfunktion verschwinden aus der Universität, und nach kurzem Zögern scheint die so kluge wie feige Hauptfigur zum Islam zu konvertieren, um weiter unterrichten und einem Leben mit bis zu drei Ehefrauen entgegensehen zu können. „Ich hätte nichts zu bereuen.“

Ob nun ein Bürgerkrieg und die Machtübernahme durch einen bekennenden Moslem wirklich die Zukunft Frankreichs…

Jetzt weiterlesen für 0,45 €
Nr. 6/2016