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Kultur

„Ich muss immer ans Meer zurück“

Mit dem Heldentenor Klaus Florian Vogt sind wir dorthin gereist, wo es begann mit seiner Sängerkarriere: zum Schleswig-Holsteinischen Landestheater in Flensburg. Er hat uns von der Stadt und seiner Anfängerzeit erzählt. Und wir trafen die Mezzosopranistin Paulina Schulenburg, die in Flensburg, wie einst Vogt, im Erstengagement ist

Alex Wigan / unsplash.com
von
Detlef Brandenburg
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„Ich mag die Küste. Ich bin ja vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater an die Semperoper nach Dresden gegangen. Aber schon als ich das erste Mal da gastiert habe, war mir klar: Ich muss immer wieder ans Meer zurück.“

Starsänger, das ist auch so ein Klischee. Und es ist fast ebenso ein Klischee zu sagen, dass ein Star diesem Klischee in Wirklichkeit aber so was von gar nicht entspricht… Trotzdem kommt man bei dem vor allem als Wagner-Tenor weltweit gefeierten Klaus Florian Vogt nicht umhin festzustellen: Bei ihm ist wirklich fast alles ein bisschen anders.

Sein Berufseinstieg zum Beispiel: Bevor er sein erstes Engagement am Opernhaus bekam, hatte er bereits elf Jahre lang als Hornist im Orchester gesessen: Einstieg in den Job im zarten Alter von 20 Jahren in Kiel noch während des Studiums; nach dem Diplom der Wechsel zum Philharmonischen Staatsorchester Hamburg, wo er es zum stellvertretenden Solohornisten brachte. Immerhin. Aber das Spielen in der Gruppe, die begrenzte Freiheit im Kollektiv – einen ausgeprägten Individualisten wie Vogt konnte das auf Dauer nicht ausfüllen. Also begann er parallel zum Orchesterleben ein Gesangstudium an der Lübecker Musikhochschule und schloss auch das mit Diplom ab. Fünf Jahre später war aus dem lyrischen Tenor ein Held geworden, der als Lohengrin in Erfurt internationale Aufmerksamkeit auf sich zog. Wieder zwei Jahre später gab er als Walther von Stolzing sein triumphales Bayreuth-Debüt. Der weitere Karriereweg ist in den Feuilletons weltweit nachzulesen.

„Wasser ist immer gut. Ich habe ein Motorboot, von Brunsbüttel aus fahre ich da auf der Elbe Richtung Cuxhaven oder auch mal ein bisschen elbaufwärts. Man kann es auf einen Hänger legen, und ich nehme es manchmal mit dahin, wo ich gerade bin. Im Sommer lag es auf dem Main, da bin ich dann von Bayreuth aus zwischendurch immer mal losgefahren. So ein Boot, das ist wirklich so: Sobald man da drauf ist, ist der Stress vorbei.“

Und doch hat sich Vogt die Bodenhaftung in seiner…

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Nr. 3/2017