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Kultur

Führung in stressigen Zeiten

Die Arbeitsbeziehungen zwischen Mitarbeitern und Führungskräften sind in der Bank und am Theater kaum vergleichbar. Die Verantwortung der Arbeitgeber ist jedoch ähnlich. Ein Gespräch mit dem Bankvorstand Johannes Reich und Oliver Reese, Intendant am Schauspiel Frankfurt

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von
Bettina Weber
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Kultur

Herr Reich, kommen Ihnen Forderungen wie die des ensembles-netzwerks, also zum Beispiel der Ruf nach einer besseren Bezahlung, nach mehr sozialen Sicherheiten und Mitbestimmung, auch von Mitarbeitern in der Bank zu Ohren?

Johannes Reich: Mein Eindruck ist, dass allein aufgrund der größeren Zahl von Leuten, die im Finanzwesen arbeiten – das sind ungefähr fünfzehnmal so viele wie Mitarbeiter an Bühnen –, die Masse mehr Gehör in der Gesellschaft findet und eine stärkere Vertretung hat. In der Bankenbranche ist die Zahl der Mitarbeiter in Deutschland seit 1995 um 20 Prozent gesunken. Der Kostendruck, die Effizienzsteigerungen, die Krisen, die durchlaufen werden, führen zu Personalabbau. Das wird künftig noch zunehmen, unter anderem aufgrund der Digitalisierung. Der steigende Druck wird sicher dazu führen, dass es auf der Vertretungsseite, bei den Gewerkschaften, einen Gegendruck gibt. Hier gibt es Gegenwehr. Ver.di fordert beispielsweise, dass bestimmte Sollvorgaben nicht mehr gemacht werden dürfen, weil sie zu Stress führten.

Oliver Reese: Die Banker, mit denen ich zu tun habe, erlebe ich als Maniacs. Die erzählen mir, dass sie bis morgens um drei Uhr arbeiten und am Wochenende. Dass die Handys nie stillstehen. Warum akzeptiert ihr das?

Johannes Reich: Ich denke, in der Breite stimmt das so nicht. Erstens gibt es sicher einen Unterschied zwischen leitenden Angestellten und…

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Nr. 4/2017