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Kultur

„Ein Opernhaus ist keine Abspielstätte für Hitparaden!“

Thesen und Gegenthesen zu Opernausgrabungen von Andreas K. W. Meyer, Operndirektor und stellvertretender Generalintendant am Theater Bonn, und DdB-Chefredakteur Detlef Brandenburg

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von
Detlef Brandenburg
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Kultur

„Hach, die Zeitgenossen machen es uns gar so schwer, da nehmen wir doch lieber mal den Schreker wieder her!“  

Detlef Brandenburg

„Ich glaube nicht, dass die Beliebtheit der Ausgrabungen daran liegt, dass die Zeitgenossen es den Theatern so besonders schwer machten.“

Andreas K. W. Meyer

Andreas K. W. Meyer: Unterstellen wir mal als Startpunkt Peris Oper „La Dafne“ von 1597. Das macht bis heute 419 Jahre Operngeschichte. Selbst wenn die (ohnedies nur angenommenen) Zahlenangaben zu den seither entstandenen Opern schwanken – ich habe im Studium was von etwa 180000 bis 200000 Werken gelernt, Ihr Kollege Manuel Brug stapelte mal in einer Welt-Kritik mit 60000 arg tief –, so will es doch nicht recht einleuchten, warum davon heute nur noch die 25 Stücke des klassischen Kernrepertoires und 25 weitere eines engeren Kreises übrig geblieben sein sollen. Da sollte nicht nur mehr sein, da ist mehr! Und das haben wir zu finden, nicht durch trockene Lektüre, sondern durch das Experiment an zwei hoffentlich lebenden Wesen: dem Publikum und dem gespielten Stück, von denen sich allerdings beide, also auch das Stück, bei diesem Experiment als lebend erweisen müssen.

Detlef Brandenburg: Bei den Zahlen kann einem ja angst und bange werden, ein Opernhaus ist doch kein archäologisches Institut. Die meisten Ausgrabungen haben nach meiner Beobachtung allenfalls dazu geführt, dass sich ein paar…

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Nr. 3/2016