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Kultur

„Ein Leben ohne Theater ist möglich, aber sinnlos“

Barbara Kisseler, Hamburgs Kultursenatorin und frisch gewählte Präsidentin des Deutschen Bühnenvereins, spricht über ihr Selbstverständnis im neuen Amt und über Projekte, Perspektiven und Problemfelder  

Martina Noltevia Wikimedia Commons

Frau Professor Kisseler, jetzt haben Sie den ersten Monat als Präsidentin des Bühnenvereins fast hinter sich. Sind Sie schon richtig angekommen im neuen Amt?

Barbara Kisseler: Also, ich war wirklich erstaunt und bin es immer noch, wie schnell sich das in der Republik rumgesprochen hat und wie – ja: geradezu vertrauensvoll jetzt Mails oder Anrufe eintrudeln mit der Bitte, ob ich nicht mal vorbeikommen und mir ein Bild von der jeweiligen Situation machen möchte. Das ist eine Haltung, der ich entnehme, dass die Kollegen etwas von mir erwarten. Eine der ersten Mails kam übrigens von der Initiative für das Volkstheater in Rostock, weil die natürlich große Probleme haben mit der dort geplanten Spartenreduzierung, die ja etwas euphemistisch als Intensivierung verkauft wird. Ich denke schon, dass ich da doch noch mal ein Gespräch führen sollte, um die Fragwürdigkeit dieser Entscheidung klarzumachen, die ja verknüpft war mit der Gewährung von Landesmitteln für den Theaterneubau. Das finde ich etwas unglücklich, denn es sieht ein bisschen nach Erpressung aus – zumindest kann der unkundige Beobachter diesen Eindruck haben. Und noch einen Brief habe ich bekommen, der mich sehr gefreut hat. Der kam von Susanne Schulz, die in der kommenden Spielzeit als neue Intendantin an das Theater Ansbach geht, das noch nicht Mitglied im Bühnenverein ist. Sie schreibt mir, dass sie sich für einen Beitritt einsetzen wird und da auch ein bisschen auf meine Unterstützung hofft. Das mache ich natürlich gerne. Die großen Häuser kenne ich ja weitgehend. Aber die Republik wird auch von vielen kleinen und mittleren Häusern bespielt. Und die sind mir extrem wichtig. Deshalb möchte ich das Signal geben, dass ich mich als ihre Anwältin verstehe.

Rostock ist ja aus dem Bühnenverein ausgetreten. Auch für Sie sind die Brücken damit aber nicht abgebrochen?

Barbara Kisseler: Absolut nicht, nein. Und ich sehe mich auch überhaupt nicht als diejenige, die da was zu maßregeln hätte, auf keinen Fall. Aber ich kann vielleicht dazu beitragen…

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Nr. 8/2015