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Kultur

„Die Schildkröte darf nicht sterben!“

Ein Gespräch über die Oper zwischen Repertoirepflege und Erneuerung mit Klaus-Peter Kehr, dem scheidenden Intendanten der Oper am Nationaltheater Mannheim, und Albrecht Puhlmann, der in diesem Sommer seine Nachfolge antritt

R. Stricker [Attribution], via Wikimedia Commons
von
Detlef Brandenburg
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Herr Kehr, Sie sind seit der Spielzeit 2005/06 Operndirektor am Nationaltheater Mannheim und seit 2013 Opernintendant. Was sind aus Ihrer Sicht die besonderen Merkmale dieses Hauses?

Klaus-Peter Kehr: Na, ich fange mal mit der Situation an, als ich angefangen habe. Da galt das Haus als „Fabrik“ mit einer Menge Produktionen im Angebot, es wurde viel gespielt und wenig geprobt. Und wenn man so ein Riesenrepertoire permanent vorhält, dann ist natürlich auch viel Mittelmaß dabei. Ich habe dann versucht, das Repertoire und das Ensemble so zu reorganisieren, dass man wirklich qualitätvoll arbeiten kann. Wir – also zunächst Regula Gerber als Generalintendantin und ich als Operndirektor, ab 2013 dann im Fünf-Intendanten-Modell mit mir als Opernintendant – wir wollten einen Imagewandel bewirken.

Albrecht Puhlmann: Was Ihnen ofenbar gelungen ist. Ich habe noch nirgends ein Ensemble von dieser Dichte der Qualität angetroffen wie hier!

Ist das etwas, worauf Sie besonders stolz sind, Herr Kehr?

Klaus-Peter Kehr: Ich bin stolz darauf, dass wir all diese Uraufführungen nicht nur machen konnten, sondern dass wir sie fast vollständig aus unserem Ensemble besetzen konnten, ja. Das Ensemble hat diese Arbeit mitgetragen, und das ist gerade für junge Sänger enorm wichtig. Wenn die von ihren Hochschulen kommen, sind sie Kopien ihrer Lehrer. Und wenn sie sich von denen emanzipieren, werden sie oft zu Kopien ihrer Vorbilder. Erst durch die neue Musik werden sie zu Originalen, weil sie sich die…

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Nr. 7/2016