Lesezeit 11 Min
Kultur

Die Festival-Familie

Selten ließen sich die drei großen Schauspielfestivals in Heidelberg, Berlin und Mülheim so bequem von einem Redakteur bereisen. Denn die Übereinstimmungen unter den eingeladenen Produktionen waren in diesem Jahr verblüffend. Das hat mit Qualität zu tun, mit einem Trend und auch mit der zunehmenden Vernetzung

von Francisco Peralta Torrejón (Eigenes Werk) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons
von
Detlev Baur
Lesezeit 11 Min
Kultur

Die Übereinstimmungen sind auffällig. Ausgerechnet zwischen dem eher Inszenierungen verpflichteten Theatertreffen und den auf Autoren fixierten Mülheimer Theatertagen gab es in diesem Jahr vier identische Einladungen. Damit war über die Hälfte der sieben Mülheimer Stücke einige Tage zuvor in Berlin zu sehen: Elfriede Jelineks „Die Schutzbefohlenen“, Yael Ronens „Common Ground“ und Ewald Palmetshofers „die unverheiratete“ – am Ende das Gewinnerstück in Mülheim. „Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz in der Inszenierung des Wiener Burgtheaters war nicht nur in Berlin und Mülheim, sondern auch noch beim Heidelberger Stückemarkt eingeladen – eine in der Geschichte der drei Festivals wohl einzigartige Hervorhebung. Auch wenn in unserer Autorenumfrage Nicolas Stemanns „Die Schutzbefohlenen“ noch mehr Voten erhielt, ist Dušan David Pařízeks Wolfram-Lotz-Inszenierung also eine der herausragenden Arbeiten der Spielzeit.

Auffällig war die Dominanz von Schauspielerinnen bei den drei Festivals: „die unverheiratete“ – wie auch die Lotz-Inszenierung eine Produktion des Wiener Burgtheaters mit einem reinen Frauenensemble – faszinierte vor allem, weil Regisseur und Bühnenbildner Robert Borgmann den Darstellerinnen, allen voran Elisabeth Orth und Stefanie Reinsperger, eine Bühne für ihre beeindruckende Menschendarstellkunst bot. Beim Berliner Theatertreffen überzeugten Schauspielerinnen auch in anderen Inszenierungen. Beide Darstellerpreise gingen an…

Jetzt weiterlesen für 0,49 €
Nr. 8/2015