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Kultur

Aus Geschichten lernen?

Das Städtchen Quedlinburg in Sachsen-Anhalt beherbergt ein Theater und ein Flüchtlingsheim. Wie kommen sie zusammen?

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von
Detlev Baur
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Kultur

Die Stiftskirche Sankt Servatius, Grabeskirche von König Heinrich I., thront über der wunderbaren Altstadt, die auch das Geburtshaus des Dichters Friedrich Gottlieb Klopstock beherbergt. Das UNESCO-Weltkulturerbe Quedlinburg gleicht einem Schatzkästchen für kulturbeflissene Touristen, oft älteren Semesters. Hier scheint es vor allem durch einen sanften Tourismus gelungen, große Geschichte mit einer Perspektive für die Stadt zu verbinden. Auch eine Lyonel-Feininger-Galerie und der Sitz des Schauspielensembles des Nordharzer Städtebundtheaters beleben das Städtchen mit seinen 25 000 Einwohnern. Und doch hat auch hier die AfD bei den Landtagswahlen im März ein Viertel der Stimmen erhalten.

Tatsächlich hat die jüngere Geschichte Quedlinburgs auch unrühmliche Aspekte. Von 1938 bis 1945 war die Stiftskirche zur „Weihestätte“ der SS umfunktioniert. Und kurz nach der Wiedervereinigung, erlangte auch Quedlinburg 1992 bei Krawallen von Rechtsradikalen vor einer Unterkunft von Bürgerkriegsflüchtlingen aus dem ehemaligen Jugoslawien weltweite Bekanntheit. Damals wurden die Opfer der Attacken heimlich an einen anderen Ort gebracht – der Mob hatte gesiegt.

Diese Geschichte scheint sich nun nicht zu wiederholen. Auch in Quedlinburg sind wieder Flüchtlinge untergekommen. Seit September 2015 ist eine Außenstelle der Zentralen Aufnahmestelle (ZAST) entstanden, am Rand des Städtchens, in einem…

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Nr. 5/2016