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Kultur

„Als Helden bleiben nur das Recht und die Moral“

Der Jurist und Bestsellerautor Ferdinand von Schirach hat mit seinem Debütstück „Terror“ die Bühnen erobert. Ein Gespräch über das Theater, die Kritik und die Gesellschaft

By Paulus Ponizak (Piper Verlag / per OTRS) [CC BY-SA 3.0], via Wikimedia Commons
von
Detlef Brandenburg
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Kultur

Herr von Schirach, wie ist es zu dem Stück „Terror“ gekommen?

Ferdinand von Schirach: Ursprünglich wollte ich für den Spiegel einen Essay über Terrorismus schreiben. Aber es wurde zu komplex. Es funktionierte einfach besser, wenn ich mit jemandem darüber sprach. Sehen Sie, ein Problem des Journalismus ist, dass Texte kaum je zu einem Gespräch führen. Es wird zwar in den Zeitungen immer von „Debatten“ gesprochen, aber tatsächlich sind es nur drei, vier Journalisten, die etwas über ein Thema schreiben. Vor einigen Jahren schrieb ich zu dem Fall des Kindermörders Gäfgen im Spiegel, dass ich glaube, es sei immer falsch, Folter anzudrohen. Einen Tag später bekam ich weit über 1000 E-Mails, in denen mir selbst Folter angedroht wurde. Das ist kein Gespräch. Es verändert nichts. Demokratie aber braucht die Diskussion, das ist ihr Wesen.

Die dramatische Form ergab sich für Sie also aus dem Stoff...

Ferdinand von Schirach: Ich wollte, dass wir darüber reden, wie wir leben wollen. Der Terrorismus ist die größte Herausforderung unserer Zeit, er verändert unser Leben, unsere Gesellschaft, unser Denken. Es ist eben gerade keine juristische Frage, wie wir damit umgehen. Es ist unsere ethisch-moralische Entscheidung. Ein Gerichtsverfahren eignet sich für die Bühne, weil im Grunde jedes Strafverfahren einem Bühnenstück ähnlich ist. Es folgt einer Dramaturgie, Theater und Gericht haben nicht zufällig die gleichen Ursprünge. Auch heute „spielen“ die Beteiligten in einem Gericht die Tat nach – natürlich nicht durch Handlungen, aber durch Sprache.…

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Nr. 8/2016