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Politik

Zwei Sprengköpfe

Mit seiner Feuer-und-Zorn-Tirade gegen das Regime von Kim Jong Un provoziert Präsident Trump eine Eskalation. Doch eine militärische Auseinandersetzung wäre katastrophal. Gibt es noch einen diplomatischen Ausweg?

DER SPIEGEL
von
Veit Medick
,
Juliane von Mittelstaedt
,
Christoph Scheuermann
,
Wieland Wagner
und
Bernhard Zand
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Politik

Immer im August läuft in Südkorea das gleiche Ritual ab. Unweit der gemeinsamen Grenze am 38. Breitengrad feuert die Artillerie auf Ziele, die nordkoreanische Panzer darstellen sollen. Hubschrauber fliegen im Tiefflug, Kampfflieger donnern am Himmel, die Strände werden von Panzern überrollt. Rund 80 000 Soldaten Südkoreas und der USA üben gemeinsam die Abwehr eines Angriffs aus dem Norden. Schon mehrmals hat das Manöver eine ernsthafte Krise provoziert.

Doch in diesem Jahr hat die Nervosität schon zwei Wochen vorher einen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Es brauchte dafür keine Panzer, keine Armeeaufmärsche, es reichten Worte wie diese: "Nordkorea sollte besser keine Drohungen gegen die USA aussprechen. Sie werden mit Feuer und Zorn beantwortet, wie es die Welt noch nicht gesehen hat."

Zurückgelehnt, die Arme verschränkt, eingerahmt von Kronleuchtern und Golfplaketten, feuerte Donald Trump am Dienstagnachmittag diese Worte ab, die die Welt seither in Angst versetzen. Es war die bislang schärfste Warnung an das Regime in Pjöngjang, beinahe eine Kriegserklärung. Trump ignorierte damit die ungeschriebene Doktrin, dass ein US-Präsident nicht mit seinem Atomarsenal prahlt wie ein Halbstarker. Es scheint ihm gleichgültig zu sein, dass die Waffen der Abschreckung dienen, dass sie existieren, um nicht eingesetzt zu werden. Es fehlte nur noch, dass er gedroht hätte, Pjöngjang in Schutt und Asche zu legen, und er wäre kaum von Diktator Kim Jong Un zu unterscheiden gewesen.

Sogar die ansonsten selbst um keine scharfe Drohung verlegenen Nordkoreaner kritisierten die "Atomkriegshysterie" und befanden, die Äußerung sei "waghalsig".

Anlass für die Drohung war offenbar ein kurz zuvor veröffentlichter Bericht der "Washington Post", wonach Nordkorea in der…

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Nr. 33/2017