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Politik

"Zeit für Gespräche"

Jörg Meuthen sollte das bürgerliche Gesicht der Rechtspopulisten sein. Nun erlebt der AfD-Parteichef einen beispiellosen politischen Abstieg.

HC PLAMBECK / DER SPIEGEL
von
Melanie Amann
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Politik

Dem Parteitag des baden-württembergischen AfD-Landesverbands an diesem Wochenende blickt Jörg Meuthen freudig entgegen. "Dieses Mal wird es schön stressfrei", sagt er. "Ich habe ja eine rein passive Rolle."

Dabei wird es hitzig: Die AfD-Basis soll entscheiden, wer zur Bundestagswahl antritt, und viele schillernde Kandidaten sind zu erwarten, rechte Ideologen, Eiferer und Facebook-Hetzer. Die AfD hat vorsorglich die Presse ausgeladen. Eigentlich müsste da die ordnende Hand des Bundesvorsitzenden gefragt sein. Doch Meuthen spricht nur ein Grußwort. "Ist doch nett, dann habe ich Zeit für gute Gespräche."

Der Parteitag markiert den vorläufigen Höhepunkt eines beispiellosen politischen Abstiegs. Meuthen, der liberale Wirtschaftsprofessor, galt als Hoffnungsträger des bürgerlichen AfD-Flügels und als starker Mann der Partei. Ein wertkonservativer Familienvater, der mit seiner ruhigen, ausgleichenden Art das Gegengewicht bilden sollte zu seiner machtbewussten Kochefin Frauke Petry.

Doch inzwischen hat Meuthen seiner Rivalin nicht mehr viel entgegenzusetzen. Den Landesvorsitz in Stuttgart hat er abgegeben, zur Bundestagswahl tritt er gar nicht erst an. Über das Ausmaß, in dem er in der AfD an Einfluss verloren hat, macht er sich keinerlei Illusionen: "Ein bisschen habe ich mir selbst den Stecker gezogen."

Meuthens Machtverlust ist nicht nur ein Lehrstück über die Schwierigkeiten gemäßigter Politiker, sich in jungen Parteien gegen Radikale…

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Nr. 47/2016