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Kultur

Wir sind angekommen

In Kapstadt wurde das weltweit erste Museum für Gegenwartskunst aus Afrika eröffnet. Das Zeitz MOCAA soll koloniale Wunden heilen.

CHARLIE SHOEMAKER / DER SPIEGEL
von
Bartholomäus Grill
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Ein Riesenvogel schwebt im Lichthof des Museums auf den Besucher zu, hässlich und furchterregend wie ein Lindwurm aus der Urzeit. An seinen Schwingen hängen blutige Strähnen, der Schwanz peitscht durch die Lüfte, aus dem knochenbleichen Schädel starren schwarze Augenhöhlen. "Iimpundulu Zonke Ziyandilenda" hat der südafrikanische Künstler Nicholas Hlobo seine Installation getauft, ein Titel, der Europäern nur schwer über die Zunge geht. Er kommt aus der Sprache der Xhosa, des Volks Nelson Mandelas, und bedeutet frei übersetzt: "Alle Sturmvögel jagen mich." In der Mythologie der Xhosa verwandelt sich das Untier hin und wieder in einen schönen Mann – der sich aber nur Frauen zeigt.

Hlobos unheimliches Fabelwesen sorgte schon 2011 bei der Biennale in Venedig für Aufsehen, jetzt ist es im MOCAA zu bestaunen, im Museum of Contemporary Art Africa, das diese Woche in Kapstadt eröffnet wird. Es ist das mit Abstand größte Kunstmuseum des Kontinents. Und das weltweit erste und einzige, das sich ausschließlich der zeitgenössischen Kunst aus Afrika und der afrikanischen Diaspora widmet. Man könnte den archaischen Vogel auch als Aufforderung verstehen, das künstlerische Schaffen auf unserem Nachbarkontinent endlich mit anderen Augen anzuschauen: als gleichwertigen Beitrag zur globalisierten Weltkunst.

Das ist auch das erklärte Ziel des neuen Museums: Es will afrikanischen Künstlern und Künstlerinnen eine unabhängige Plattform bieten, denn auf ihrem eigenen Erdteil sind sie weitgehend unbekannt, und in den maßgeblichen Ausstellungen in Europa und…

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Nr. 39/2017