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Wirtschaft

"Wir sind anders"

Nach dem Abgang von Ferdinand Piëch vertreten sein Bruder Hans Michel Piëch und Wolfgang Porsche die Interessen ihrer Familien bei Volkswagen. Nun führen sie einen der mächtigsten Clans der deutschen Industrie – ein Treffen.

CHRISTIAN BERNROIDER / DER SPIEGEL
von
Dietmar Hawranek
und
Armin Mahler
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Wirtschaft

Sie sind eine Dynastie, die Familien Porsche und Piëch. Sie sind, wie alle Dynastien, reich, mächtig, geheimnisvoll – und verschlossen.

Die Vertreter der beiden Familien suchen die Öffentlichkeit nicht. Der eine, Wolfgang Porsche, genannt Wopo, vermag sich aber im Scheinwerferlicht zu bewegen. Er verfügt über eine leichte Ironie, die etwa beim Pariser Autosalon aufblitzte, als Porsche den VW-Manager Herbert Diess traf. "Ich habe mir gerade einen Volkswagen Up bestellt", sagte Porsche. "Das wird uns auch nicht retten", antwortete der Manager lächelnd. Porsche: "Na ja, sagen wir: Es ist eine Teilrettung."

Der andere, sein Cousin Hans Michel Piëch, ist dagegen einer breiten Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Der Jurist kann auf den Automobilmessen in Paris, Genf oder Frankfurt gemeinsam mit seiner Tochter neue Modelle begutachten, ohne dass er von Journalisten oder anderen Neugierigen angesprochen wird.

Wolfgang Porsche und Hans Michel Piëch sind die beiden, auf die es nun ankommt im Aufsichtsrat des VW-Konzerns, nachdem Ferdinand Piëch, der über Jahrzehnte hinweg das Autoimperium als Vorstands- und später als Aufsichtsratschef steuerte, im vergangenen Jahr zurücktreten musste. Man hatte ihm den Versuch, den damaligen VW-Chef Martin Winterkorn abzusetzen ("Ich bin auf Distanz"), nicht verziehen.

Damals wirkte die Familie uneins. Wer nach dem Abtritt des mächtigen Ferdinand Piëch tatsächlich das Sagen hat und inwieweit er selbst noch mitmischt, blieb nebulös – und das alles, während die Dieselaffäre den Konzern in die größte Krise seiner Geschichte stürzte.

Das gemeinsame Gespräch, das Porsche und Piëch dem SPIEGEL in Salzburg geben, soll deshalb auch ein Signal sein: Es gibt keinen Riss in der Familie, wir steuern den Konzern gemeinsam durch die Krise.

Die Familie verfügt über 52 Prozent der stimmberechtigten Aktien am VW-Konzern. Sie ist damit neben den Quandts die einflussreichste Familie in der Automobilindustrie. Mit einem wesentlichen Unterschied: Bei BMW halten zwei Familienmitglieder 47 Prozent der Stammaktien – Stefan Quandt und seine Schwester Susanne Klatten. Nur diese beiden müssen sich einigen. Bei Porsche und Piëch waren es 8, und in der nächsten Generation werden es sogar 34 Personen sein. Wenn sie in wichtigen Fragen unterschiedlicher Meinung sind, beispielsweise darüber, wer Vorstandschef wird, kann…

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Nr. 43/2016