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Wirtschaft

„Wir nehmen diesen Fall sehr ernst“

Die dänische EU-Kommissarin Margrethe Vestager, 49, über das Kartell der deutschen Autobauer und den Kampf gegen Geschäftspraktiken amerikanischer Tech-Konzerne

EZEQUIEL SCAGNETTI / DER SPIEGEL
von
Peter Müller
und
Isabell Hülsen
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Wirtschaft

SPIEGEL: Frau Vestager, als Sie zuletzt auf das Autokartell angesprochen wurden, das der SPIEGEL Ende Juli enthüllt hatte, sagten Sie, Ihnen fehlten noch wesentliche Informationen, um einzuordnen, ob es sich wirklich um ein verbotenes Kartell handele. Sagen Sie uns: Womit können wir dienen?

Vestager: Danke für das Angebot, aber wir kommen schon zurecht. Es braucht einfach seine Zeit. Wir müssen uns durch riesige Stapel Dokumente arbeiten, um die entscheidenden Beweise zu finden. Es geht um die Unterscheidung, ob ein Teil der Gespräche ein geheimes Kartell war, was sich in einer Grauzone bewegt und was legitime Zusammenarbeit der Autokonzerne war.

SPIEGEL: Zuletzt haben Sie unangemeldet bei BMW eine Durchsuchung veranlasst, später, angemeldet, auch bei Daimler und VW, den beiden Firmen, die sich selbst beim Bundeskartellamt und der EU-Kommission angezeigt haben. Sind Sie fündig geworden?

Vestager: Das werten wir nun aus. Wir müssen sehr gründlich vorgehen und dürfen uns nicht von Presseberichten mitreißen lassen. Wenn wir irgendwann eine Entscheidung über illegale Absprachen treffen sollten, muss sie vor einem Gericht bestehen können. Deshalb können wir es uns nicht leisten, in eine Richtung zu gehen, wir müssen offen sein, sauber arbeiten.

SPIEGEL: Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass die Kommission ein formales Kartellverfahren einleitet?

Vestager…

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Nr. 48/2017