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Politik

„Wir hätten gewinnen können“

SPD-Parteivize Olaf Scholz, 59, über die Fehler der Genossen im Wahlkampf, gerechte Mindestlöhne und sein Rezept für eine erfolgreiche Sozialdemokratie im 21. Jahrhundert

HERMANN BREDEHORST / DER SPIEGEL
von
Annette Großbongardt
,
Klaus Brinkbäumer
und
Michael Sauga
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Politik

SPIEGEL: Herr Scholz, möchten Sie SPD-Vorsitzender werden?

Scholz: Die SPD muss nach dem sehr schlechten Ergebnis der Bundestagswahl über ihre strategische Aufstellung diskutieren. Dabei geht es erst mal um Inhalte, nicht um Personen.

SPIEGEL: Ihr jüngstes Papier mit der Überschrift "Keine Ausflüchte", in dem Sie eine schonungslose Aufarbeitung der Lage fordern, wurde aber als Kampfansage an Martin Schulz verstanden.

Scholz: Es muss in einer traditionsreichen Partei wie der SPD möglich sein, offen über Inhalte zu diskutieren. Dass manche das für Personalspekulationen nutzen, muss man darum aushalten.

SPIEGEL: Die Sozialdemokraten haben eines der schlechtesten Wahlergebnisse ihrer Geschichte eingefahren, in Ostdeutschland sind sie sogar hinter die AfD zurückgefallen. Ist die SPD keine Volkspartei mehr?

Scholz: Die Lage ist ernst, keine Frage. Es gibt eine strukturelle Krise, die nicht nur die deutsche Sozialdemokratie trifft. In vielen westlichen Ländern wie den Niederlanden oder Frankreich haben die traditionellen Mitte-links-Parteien zuletzt desaströse Ergebnisse eingefahren. Die entscheidende Frage lautet also nicht, ob es ein Problem gibt – das gibt es –, sondern, wo die Ursachen liegen.

SPIEGEL: Haben Sie eine Antwort?

Scholz: Wir erleben gerade eine Neuformierung der Weltwirtschaft. Während Länder wie China und Indien wirtschaftlich boomen, stellen sich selbst in prosperierenden Industrienationen…

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Nr. 45/2017