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Wirtschaft

"Wir brauchen Waffengleichheit"

Allianz-Chef Oliver Bäte, 50, über Niedrigzinsen, Digitalisierung und die Suche nach dem Geschäftsmodell der Zukunft für Europas größten Versicherer

FLORIAN GENEROTZKY / DER SPIEGEL
von
Martin Hesse
und
Armin Mahler
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Wirtschaft

SPIEGEL: Herr Bäte, China zieht weltweit die Aktienkurse nach unten. Wie sehr treffen die Börsenturbulenzen die Allianz?

Bäte: Wir sind langfristige Investoren und haben uns in den vergangenen Jahren von kurzfristigen Marktschwankungen unabhängiger gemacht. Deshalb bereiten uns die Turbulenzen kurzfristig keine Sorgen.

SPIEGEL: In den vergangenen Jahren haben Sie wegen der niedrigen Zinsen den Anteil der Aktien an Ihren Kapitalanlagen erhöht. Rächt sich das jetzt?

Bäte: Wir haben die Aktienquote zuletzt erhöht, aber um die Jahrtausendwende hatten wir beispielsweise in der Sachversicherung bis zu 30 Prozent der Mittel in Aktien angelegt. Heute sind es weniger als 5 Prozent, in der deutschen Sachversicherung etwas mehr. Wir halten es aber in dem aktuellen wirtschaftlichen Umfeld für richtig, Sachvermögenswerte wie Aktien zu halten, unabhängig von kurzfristigen Schwankungen. Wir werden in den nächsten Monaten volatile Märkte sehen. Aber unsere grundsätzliche Sorge gilt nach wie vor den sehr niedrigen Zinsen.

SPIEGEL Das Thema Niedrigzinsen beschäftigt Sie mehr als die Angst vor einem Börsencrash?

Bäte: Viel mehr. Die Zinsen wären ja deutlich höher ohne die extrem expansive Geldpolitik und die Anleihekäufe der Europäischen Zentralbank. Ihr Einfluss macht etwa 1,5 Prozentpunkte aus. Deshalb können wir unseren Kunden deutlich weniger Rendite anbieten. Die…

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Nr. 3/2016