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NeurowissenschaftenUm das Gehirn verstehen zu können, müsste man seinen Schaltplan kennen, aber der ist gespenstisch kompliziert. Nun hat ein US-Forscher eine Idee entwickelt, wie sich die Neuronennetze enttarnen lassen.

ANNIE TRITT / DER SPIEGEL
von
Johann Grolle
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Bescheidenheit ist Anthony Zadors Sache nicht, und so hat er sich nie mit Kleinem begnügt. Stets wagte er das Große. Schon als Doktorand nahm sich der Neurowissenschaftler vor, eine Maschine mit Bewusstsein zu erschaffen. Zwar musste er einsehen, dass dies dann doch schwieriger war als gedacht. Aber seine visionäre Tatkraft blieb ungebremst.

Jetzt hat Zador sich darangemacht, eines der ehrgeizigsten Großvorhaben seines Fachs gleichsam im Handstreich zu vollenden: Am Cold Spring Harbor Laboratorium auf Long Island will er die Verschaltung von Nervenzellen in Gehirnen kartieren.

Das Konnektom zu erfassen – so nennen Hirnforscher die Gesamtheit aller Verknüpfungen im Nervensystem – gilt als eine Art Heiliger Gral des Fachs. Um die Funktionsweise des Gehirns wirklich verstehen zu können, so glauben die Wissenschaftler, müssen sie seinen Schaltplan kennen.

Dieser aber ist geradezu gespenstisch kompliziert. Selbst in einem nur blaubeergroßen Mäusehirn sind etwa 70 Millionen Neuronen an mehr als 100 Milliarden Kontaktstellen verdrahtet. Wie soll man davon eine Karte erstellen?

Einige Hirnforscher versuchen, mit einem technischen Gewaltakt ans Ziel zu gelangen: Sie zerschneiden das Hirngewebe in hauchdünne Scheiben, fotografieren diese im Elektronenmikroskop und setzen die Bilder im Computer dann virtuell zu einer Art dreidimensionalem Kabelknäuel zusammen.

Das ist teuer, kostet viel Zeit und erfordert die Handhabung unermesslich…

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Nr. 3/2018