Lesezeit 10 Min
Gesellschaft

Widerstand im Unterholz

Tief unter dem Hambacher Forst liegt Braunkohle, deswegen soll der Wald weichen. Naturschützer, RWE und Polizisten bekriegen einander – es geht um mehr als ein paar Bäume.

TIM WAGNER / DER SPIEGEL
von
Lukas Eberle
Lesezeit 10 Min
Gesellschaft

Mona, eine Frau Anfang zwanzig mit Palästinensertuch und Nasenring, hängt an einem Kletterseil in fünf Meter Höhe. Das Seil ist oben an einer Eiche befestigt. »Die ersten fünf Meter sind die wichtigsten«, ruft Mona, »auf dieser Höhe kommen die Polizisten mit dem Tränengas nicht an mich ran.«

Mona, die in Wahrheit anders heißt, hat sich eine Taktik einfallen lassen. Sie weiß genau, was sie machen wird, wenn Mitarbeiter des RWE-Konzerns und Polizisten versuchen werden, die Waldbesetzer aus dem Hambacher Forst zu werfen. Wenn die Bulldozer anrückten, werde sie noch höher klettern, sagt Mona. Oben, zwischen den Ästen der Eiche, in rund zwanzig Meter Höhe, hat sie mit anderen Aktivisten eine kleine Hütte in den Baum gezimmert. 16 Quadratmeter, zweistöckig.

Sie sagt, sie werde sich dort einnisten. Sie habe Vorräte gebunkert, Wasser, Müsli und Decken. Wenn dann der Häuserkampf beginne, wenn die Hebebühne komme, mit der ihr Baumhaus zerstört werden solle, werde sie noch höher klettern. Bis in die Baumkrone, sagt Mona.

Würde sie auch angreifen? Steine würde sie nicht werfen, sagt sie. Aber sie würde die, die es tun, auch nicht zur Rede stellen. »Jeder spricht hier für sich, jeder handelt für sich. Es gibt keine Regeln unter uns, was man zu tun oder zu lassen hat«, sagt Mona. Gewalt erzeugt Gegengewalt, so sehen sie und ihre Freunde das.

Wenn Menschen im Hambacher Forst vom Endkampf sprechen, hört es sich so an, als erzählten sie von einem…

Jetzt weiterlesen für 0,87 €
Nr. 37/2018