Lesezeit 13 Min
Wirtschaft

Wette auf den Jackpot

Im Silicon Valley werden Milliarden Dollar in Unternehmen gesteckt, die mit neuen Medikamenten die Medizin revolutionieren wollen. Ein deutscher Arzt forscht an der Heilung von Alzheimer, finanziert unter anderem von Bill Gates.

STEPHEN LAM / DER SPIEGEL
von
Thomas Schulz
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Wirtschaft

Start-up kann ein irreführender Begriff sein in diesen Tagen des ungebremsten kalifornischen Booms und der großen Hoffnungen, in denen das Geld scheinbar vom Himmel fällt. Wer da noch Garagen, Pizzakartons und Ikea-Schreibtische vermutet, wird oft enttäuscht. Stattdessen kann es so aussehen: ein Unternehmen, kaum zwei Jahre alt; ein Glaspalast mit hellen Gängen, gesäumt von Laboren; besetzt mit über hundert Forschern, nicht wenige von ihnen Stars in ihrer Disziplin. Ein drei Meter hohes Kernspinresonanzspektroskop, Preis: zwei Millionen Dollar, brummt hinter einer Glastür.

Aber es geht auch nicht um Apps hier am Rande der Bucht von San Francisco, sondern um Alzheimer, eine der am schnellsten wachsenden Volkskrankheiten der westlichen Welt. Die Lebenserwartung des Menschen steigt mit jeder Generation, aber je älter der Mensch ist, umso anfälliger wird das Gehirn für Verschleißerscheinungen: Das Gedächtnis schwindet, das Ich zerfällt. Die Zahl der Demenzkranken wächst seit Jahren dramatisch. Es gibt keine Therapien, die sie heilen könnten.

Die Hoffnung allein darauf, dass sich das ändert, lockt die Investoren. Aber es ist mehr als Hoffnung, "die Chance ist endlich da", wirksame Medikamente für Alzheimer, Parkinson und andere neurodegenerative Erkrankungen seien in Reichweite. Sagt Alexander Schuth, Gründer und Chief Operating Officer von Denali Therapeutics. Und es gibt viele, die ihm glauben. Fast 220 Millionen Dollar nur als erste Anschubfinanzierung sammelten sie ein, Schuth und seine beiden Mitgründer, innerhalb weniger Tage im Frühjahr 2015. Es hatte nur ein Testballon sein sollen, um zu sehen, ob ihre Ideen und Forschungspläne auf Interesse stoßen, aber das Geld strömte nur so hinein, es kam aus allen…

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Nr. 30/2017